Hört nicht auf zu beten und Gott zu danken. Bitte betet auch gleichzeitig für uns: Gott möge uns eine Tür öffnen, damit wir sein Geheimnis weitersagen können: Die Botschaft von Christus. Wegen ihr bin ich jetzt auch im Gefängnis. Betet, dass ich frei und offen von dem reden kann, was mir aufgetragen wurde. (Kol 4, 2 – 4)

 

Beten verändert:

Wer betet, findet Freunde

Wer betet, überwindet Einsamkeit

Wer betet, rechnet mit Gottes Wundern

Paulus schreibt an die „Kolosser“. Das waren keine riesigen schwergewichtigen Menschen mit Kleidergröße XXL. Das waren keine Giganten. Auch keine Glaubens-Giganten. Diese Christen lebten in der heutigen Türkei, in der unbedeutenden Stadt Kolossä. Diesen Christen schreibt Paulus.
 

In dem kleinen Textabschnitt der heutigen Predigt sehe ich drei Punkte, die für uns heute wichtig sind:
 

Beten verändert: Wer betet, findet Freunde

 

Paulus schreibt aus dem Gefängnis. Gefängnis bedeutet immer auch, allein zu sein. Abgeschnitten von seiner Umwelt. Da sind Freunde wichtig. Menschen, die einen besuchen. Die den Kontakt halten. Ich war einmal ehrenamtlicher Bewährungshelfer. Von daher kenne ich das.

Paulus hat solche Menschen bei sich, zum Beispiel Epaphras. Der Mann mit dem seltsamen Namen stammt aus Kolossä. Die beiden tauschen sich über ihren Glauben aus, über ihre Erfahrungen, über das, was sie bewegt.

 

Paulus hört, wie es den Christen in Kolossä geht. Er hört, wo diesen Christen der Schuh drückt. Er kann viele gute Ratschläge geben, wie sie mit ihren Problemen umgehen sollen. Er zeigt ihnen Wege, wie sie im Glauben wachsen können. Paulus ist so eine Art Coach für diese Gemeinde. Er redet mit ihnen, wie er mit seinen Freunden reden würde.

 

Und er sagt ihnen etwas ganz wichtiges: Redet immer mit Gott! Hört nicht auf damit. Hört nie auf zu beten und Gott zu danken! Bleibt im Gespräch mit Gott. Redet mit ihm wie mit einem Freund.

Mit Gott reden wie mit einem Freund! - Mose, der große alte Mann Gottes, der konnte das. In 2. Mose 33:11 schreibt die Bibel:

 

„Der HERR aber redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freund redet.

 

Gott und Mose sind vertraut miteinander wie Freunde miteinander vertraut sind. Freunde sind Menschen, denen man vertraut. Denen man auch mal was sagen kann, was man sonst nicht jedem sagt. Es ist wichtig, dass wir Freunde haben! Menschen, die wir um Rat fragen können. Jemand, bei dem wir unsere Sorgen abladen können!

 

So sollen wir mit Gott reden! Paulus sagt den Christen: bleibt unbedingt im Gespräch miteinander. Betet zusammen. Und redet mit Gott. Sagt ihm alles. Es genügt nicht, dass ich euch Ratschläge gebe. Ihr müsst trotzdem mit Gott im Gespräch bleiben! Er hört euch zu. Und er antwortet auch. Wenn Gott mit Mose wie mit einem Freund geredet hat, dann dürft ihr das auch erwarten. Erwartet von Gott alles! 

 

Beten verändert: Wer betet, überwindet Einsamkeit

 

Paulus schreibt am Schluss des Briefes: Ich schicke euch Tychikus, der bringt euch diesen Brief. Lest ihn in der Gemeinde. Auch Tychikus ist einer seiner Freunde.

 

Paulus schreibt: betet auch für mich. Denn ich brauche eure Gebete. Redet mit Gott, und zwar auch über mich und meine Situation. Er bittet Christen, die ganz weit weg wohnen, an ihn zu denken. Haben Sie Freunde, die für Sie beten? Oder sind Sie so ein XXL-Christ, für den niemand beten braucht?

 

Paulus kannte die Kolosser nur von Erzählungen. Er war nie bei ihnen. Er hatte nur von diesen Christen gehört. Aber mit den Gedanken ist er ganz nah bei diesen Leuten. Er würde sie gerne einmal besuchen – aber die Türen sind buchstäblich zu.

 

Paulus macht etwas sehr Kluges! Er baut sich ein Netzwerk von Betern. Er bittet diese Christen, die er nicht persönlich kennt, doch für ihn und sein Anliegen zu beten.

 

Paulus langweilt sich nicht im Gefängnis. Er liegt nicht auf dem Bett und glotzt an die Decke und fragt sich, wie er wieder mal den langweiligen Tag rumkriegen soll. Nichts los in seinem Gefängnis. Er macht es besser: er schreibt seiner Gemeinde in der Ferne. Er betet für sie, er wartet auf den Besuch seiner Freunde. Er bleibt mit Gott im Gespräch und mit Menschen.

Langeweile ist eine Form der Einsamkeit. Jemand in einem Pflegeheim sagte mir mal: ich bin oft allein, aber nie einsam!

 

Wer beten kann, wer auch für andere Menschen die Hände falten kann – der ist nicht allein. Der bleibt im Kontakt, im Gespräch mit Gott. Es tut gut, die Hände zu falten und zu beten!  Auch für Menschen, die ich persönlich gar nicht kenne. Denn – Gott kennt sie alle, die ich ihm nenne. Beten Sie doch einmal für alle Politiker, die sie aus dem TV kennen. Oder für alle Stars, über die sie lesen. Ich bin sicher: Gott hört Sie. Er freut sich, wenn Sie für andere Menschen beten und bitten.

 

Beten verändert: Wer betet, rechnet mit Gottes Wundern

 

Paulus hofft, dass Gott ein Wunder tut. Er hofft auf eine offene Tür für das Evangelium. Er bittet um viele Gelegenheiten, damit er die Botschaft von Jesus Christus weitersagen kann. Betet – so schreibt er - dass ich diese Botschaft so klar verkünde, wie es irgend geht.

 

Das ist natürlich ein Super-Gebetsanliegen für alle Pfarrer und Prediger: die Gemeinde bitten, dass es viele Gelegenheiten gibt, das Wort Gottes weiterzusagen. Nicht nur sonntags auf der Kanzel. Und das Evangelium so verkünden, dass es auch verstanden wird. Das ist ein Dauerbrenner für uns Christen. Nicht nur, wer von der Kanzel predigt, sollte verstanden werden. Sondern auch jeder Christ, der seinen Mitmenschen etwas von seinem Glauben an Jesus Christus weitersagen will, der braucht dieses Gebet.

 

Dabei geht es ja nicht nur um die Verständlichkeit der Sprache, sondern auch um die inhaltliche Klarheit.

 

Das Gebetsanliegen, das Paulus hatte, ist erhört worden. Gott hat ihm eine Tür geöffnet. Ob er das eine Gefängnistür war, das weiß ich nicht. Aber sein Brief ging bis nach Kolossä. Dort ist er gelesen worden. Und in den Nachbar-Gemeinden auch. Dieser Brief war ständig unterwegs. Er blieb den Christen erhalten bis heute. Seit damals haben Christen auf der ganzen Welt und zu allen Zeiten lesen können, um was es Paulus ging.

 

Ich will das verdeutlichen mit ein paar Zeilen aus seinem Brief:

 

Jesus Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes. In ihm ist alles geschaffen was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare. (1:15/16)

 

Jesus Christus ist das Haupt seiner Gemeinde. In Jesus Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.(1:18)

 

Am Kreuz von Golgatha hat Jesus Christus den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war. Er hat diesen Schuldbrief weggetan und ans Kreuz geheftet. (2:14)

 

In Jesus Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis. (2:3)

 

Trachtet nach dem, was droben im Himmel ist, und nicht nach dem, was auf Erden ist. (3:2)

 

Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen. Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“ (3:16/17)

 

Es lohnt sich, den ganzen Brief zu lesen. Und zu beten. Hört nicht auf zu beten und Gott zu danken! Hört nicht auf, füreinander zu beten. Vertraut darauf, dass Gott hört und erhört. Vielleicht nicht so, wie wir es wünschen, aber immer so, wie es uns und anderen hilft. Amen.

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