Himmelfahrt 2018

Danach, als ich aufblickte, sah ich im Himmel eine offene Tür. Dieselbe Stimme, die schon vorher so gewaltig wie eine Posaune zu mir gesprochen hatte, sagte: „Komm herauf! Ich will dir zeigen, was in Zukunft geschehen wird.“

Sofort ergriff mich Gottes Geist, und dann sah ich: Im Himmel stand ein Thron, auf dem jemand saß. Die Gestalt leuchtete wie ein Edelstein, wie ein Jaspis oder Karneol. Und um den Thron strahlte ein Regenbogen, schimmernd wie lauter Smaragde.

Offenbarung des Johannes, 4, 1 – 3

Foto: Frankfurt am Main an einem regnerischen Morgen


Der Seher Johannes darf einen Blick in den Himmel werfen. In eine Wirklichkeit, die wir mit unseren Augen nicht sehen können. Johannes sieht den Thronsaal Gottes. Er ist ganz oben angekommen. Himmel, das ist der Ort ganz oben.

Waren Sie schon einmal ganz oben? Ich meine beruflich. Sind Sie auf der Karriere-Leiter hochgestiegen, ganz nach oben? Oder waren Sie – hoffentlich nicht! – schon mal ganz unten? Als vor einiger Zeit die U-Bahnen streikten, musste ich zu Fuß zum Bahnhof. Da kam ich an einem regnerischen Morgen durch Straßen, in denen ich viel Elend sah: Menschen, die auf dem Bürgersteig schliefen. Drogenabhängige. Obdachlose. Aber ich begegnete auch Männern auf dem Weg zur Arbeit im dunklen Anzug, eleganten Frauen. Sie alle arbeiteten vermutlich irgendwo in den Bürotürmen. Kontrastprogramm einer Großstadt: die einen ganz oben, die anderen ganz unten.

Chefs sitzen gerne oben. Nicht nur am Konferenztisch, auch in den Büros. Die Chef-Etagen, die ich betreten musste, waren immer oben, in den oberen Stockwerken. Ich erinnere mich nicht, jemals zu einem meiner Chefs nach unten gegangen zu sein, ins Souterrain oder in den Keller. Meine Chefs residierten immer in der Top-Lage, oben.

Jesus Christus regiert in der himmlischen Top-Lage. An Himmelfahrt hat er dort den Platz eingenommen, der ihm gehört, der ihm zusteht: den Chef-Sessel. Jesus Christus ist der himmlische CEO. Oder der Vorstands-Vorsitzende.

Für ein paar irdische Jahre kam er herab vom Himmel zu uns Menschen. In einem kleinen Zeitfenster wurde er Mensch wie wir. Jesus ließ seine ewige himmlische Herrlichkeit und kam in das menschliche Dasein. Auch in manches Elend. Er kam zu seinen Menschen, weil er sie unendlich liebt. Er kam zu denen, die ohne Hoffnung waren. Er kam zu denen, die leiden müssen unter Gewalt, Angst, Lieblosigkeit. Er kam auch zu denen, die glücklich und zufrieden sind und Gott einen guten Mann sein lassen.

Aber Jesus wollte ganz nach unten! Er stieg hinab bis zum Tod am Kreuz. Er ließ sich hinrichten von denen, die ganz oben waren. Die Menschen damals lachten ihn aus. Jesus lässt sich auch heute noch belächeln und  verspotten von Menschen in Comedys, in Witzen und Karikaturen. Viele Menschen schauen gerne auf Jesus Christus herab.

Jesus im Himmel, Himmelfahrt, das scheint unendlich weit weg zu sein. Irgendwie religiös abgehoben. Diese unsichtbare Wirklichkeit scheint mit unserer realen Welt nichts zu tun zu haben. Jesus im Himmel? Wenn wir ihn sehen könnten, ja dann  …  Aber das kann kein Mensch – solange er hier lebt. Doch Jesus hören, das kann ich zu jeder Stunde. Ich habe sein Wort.

Ich vergleiche das mit einem Erlebnis, das ich 2004 hatte. Ich fand damals im Keller eine kleine Broschüre. Es war eine christliche, ermutigende Alltags-Geschichte mit dem Titel „Keine spielt wie Gisela“. Geschrieben hatte sie ein Mann namens Johannes Rau. Der hieß so wie unser damaliger Bundespräsident. Ich wusste, dass der Bundespräsident auch einmal Buchhändler war. Daher kam mir die Idee, dieses kleine Heft könnte von ihm geschrieben worden sein, bevor er Bundespräsident wurde.

Ich schrieb also einen Brief an das Bundespräsidialamt mit der Frage, ob dieses Heft vom Herrn Bundespräsidenten stammte und bat um ein Autogramm. – Wochenlang tat sich nichts und ich dachte, meine Anfrage ist sicher in einem Vorzimmer-Papierkorb gelandet.

Doch eines Abends klingelte das Telefon. Ich erinnere mich noch sehr gut daran. Ich nahm ab, am anderen Ende meldete sich „Johannes Rau“, der Bundespräsident. Es hat mir fast die Sprache verschlagen. Er nahm sich viel Zeit für ein ganz persönliches Gespräch und freute sich über das Heft. Er bat, das Heft zu behalten zu dürfen. Als Dankeschön schickte er mir eines seiner Bücher.

Menschen wie ich werden sehr selten von Präsidenten angerufen. Eigentlich nie. Aber es war für mich was Besonderes, mit dem ersten Mann im Staat ein ganz persönliches Telefonat zu führen. Wir redeten sogar über den christlichen Glauben. – Zwei Jahre später, 2006, starb Johannes Rau.

In seinem Buch, das er mir schenkte, schreibt Johannes Rau über die Musik: „Es ist die Musik, die den Menschen zum ganzen Menschen macht. In ihr kommen Gefühl und Geist, Seele und Körper zur Einheit.“ (S. 254). Als sich für den Seher Johannes die Tür zum himmlischen Thronsaal öffnet, kommt er mitten hinein in einen Lobpreis, der nie endet. Johannes hört den Lobpreis: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der allmächtige Gott, der schon immer war, der heute da ist und der kommen wird!“ (Offb. 4:8)

Ich wünsche Ihnen, dass Sie in diesen himmlischen Lobpreis einstimmen können. Wer das mitsingen kann, wird zum ganzen Menschen. Er findet zur Einheit mit dem dreieinigen Gott, dem Vater, dem Sohn Jesus Christus und dem Heiligen Geist. Das bringt die Seele ganz nach oben. Zu dem Ort, wo wir Jesus Christus eines Tages begegnen werden.



 

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