Ihr wisst doch, dass an einem Wettkampf viele teilnehmen, aber nur einer bekommt den Preis. Darum lauft so, dass ihr ihn gewinnt.  1.Kor.9:24

Liebe Leser,

Hat Ihnen schon einmal jemand gesagt – der Arbeitskollege, der Chef oder ein Freund -, dass er arrogant ist? Ich gestehe, das habe ich manchmal von anderen gedacht. Aber selten von mir.

Joachim Löw, der Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, hat öffentlich über seine Arroganz gesprochen. „Fast arrogant“ sei er gewesen. Bei der Fußball-WM 2018 ging mit Hilfe des Trainers der Fußball-Weltmeister Deutschland sang- und klanglos in der Vorrunde unter.

Löws große Fehleinschätzung war nach seinen Worten, mit defensivem Spiel die nächste Runde  erreichen zu können. Millionen Fachleute wie ich saßen vor dem TV und wollten ihren Augen nicht trauen, wie die deutsche Mannschaft gelangweilt die Bälle von links nach rechts und wieder nach hinten schoben. Im Finale wurde dann Frankreich Weltmeister, hochverdient! Gratulation!

Jetzt will der Bundestrainer in unserem Nationalteam wieder „Feuer und Leidenschaft“ entfachen.

Hätte es antiken Fußball gegeben, wäre Paulus vermutlich Trainer des 1.FC Korinth gewesen. Für diese Gemeinde war er ein spiritueller Trainer. Er wollte diese Christen im Glauben weiterbringen! Deshalb feuert er sie an, leidenschaftlich Gott zu vertrauen. Leidenschaftlich Gott und die Mitmenschen zu lieben.

Er vergleicht den Glauben an Gott mit einem antiken Wettkampf. Die Athleten damals kämpften um den Siegeskranz. Diszipliniert wie die Athleten heute konzentrierten sie sich auf das Ziel: Goldmedaille!

Aber Paulus verlangt kein schweißtreibendes christliches Trainingsprogramm nach dem Motto Tag und Nacht in der Kirche zu sein. Glaube ist kein religiöser Hochleistungssport. Den Himmel kann man sich nicht verdienen oder erkämpfen. Das Ziel, mit Gott ewig zu leben, ist immer ein Geschenk. Dafür starb Jesus Christus am Kreuz. Dort hat er gelitten und geblutet für alle Arroganten.

Am Kreuz starb Jesus für alle, die beruflich und privat in der „Champions-League“ spielen. Er starb für die, die müde und gelangweilt auf dem Spielfeld „Mein Leben“ herum stolpern.  Er starb für die, die ständig ein Eigentor nach dem anderen schießen. Für alle, die mit ihren Fehleinschätzungen Schiffbruch erlitten haben. Nein, den „himmlischen Siegespreis“ kann sich niemand verdienen.

Aber wer sich von Jesus Christus mit Vergebung beschenken lässt, der ist eingeladen, leidenschaftlich Gott zu vertrauen. Diesen Glauben mit Hingabe zu leben. Leidenschaftlich Gott und die Mitmenschen zu lieben.

Klingt gut, kann aber ganz schön schwer sein! Mir ist das bei einer „Spiel-Regel“ aus der biblischen Weisheits-Literatur wieder bewusst geworden. Ich las folgenden Satz (in einer modernen Übersetzung, Gute-Nachricht-Bibel 1984, S. 966):

„Mein Sohn, sorge für deinen Vater, wenn er alt geworden ist; mach ihm keinen Kummer, solange er lebt. Sei nachsichtig mit ihm, wenn sein Verstand abnimmt; schaue nicht auf ihn herab, weil du noch stark und kräftig bist! - Der Herr wird es dir nicht vergessen, wenn du mit deinem Vater barmherzig bist. - Wer seinen Vater im Stich lässt ist genau so wie einer, der Gott lästert. Und wer seine Mutter kränkt, über den kommt der Fluch des Herrn.“ (Sirach 3, 12 – 14, 16)

Nachsichtig sein mit dem altgewordenen Vater, oder mit der Mutter. Auch dann noch, wenn die Eltern vergesslich geworden sind, vielleicht sogar dement. Barmherzig bleiben im Umgang mit Mutter und Vater, wenn sie pflegebedürftig geworden sind. Leidenschaftlich barmherzig, leidenschaftlich geduldig, leidenschaftlich nachsichtig. Nicht herablassend, nicht herabschauend, nicht arrogant.

Ältere Menschen leiden darunter, wenn sie langsam Abschied nehmen müssen von einem selbstständigen, selbstbestimmten Leben. Sie gerade dann noch voller Hingabe in ihrer Schwachheit zu lieben kann zur großen täglichen Herausforderung werden. Wer so liebt, für den kann der Alltag sehr herausfordernd sein.

Doch wir haben ein großes Vorrecht: wir dürfen Gott bitten um Kraft und Liebe. Das ist ein Bitten nach seinem Willen. Durch die Kraft des Heiligen Geistes können wir nachsichtig und barmherzig lieben.

Joachim Löw sucht Spieler mit Leidenschaft. Gott sucht Menschen, die hingebungsvoll lieben.

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