Ganz Ohr!

Liebe Freunde, seid schnell bereit, zuzuhören,
aber lasst euch Zeit, ehe ihr redet oder zornig werdet.

Jakobusbrief, Kap. 1, Vers 19 (Neues-Leben-Bibel)

Liebe Leser,

„Die Ohren hat Gott so angebracht, dass eigentlich niemand drauf sitzen kann“ sagte der  Evangelist Wolfgang Dyck. Es ist eine alltägliche Erfahrung, die jeder kennt: meine lieben Mitmenschen hören mir nicht richtig zu, sie sitzen „auf den Ohren“ oder hören nur mit „halbem Ohr“ zu.

Es wundert mich es nicht, dass Jakobus vom Zuhören und von Wutausbrüchen schreibt. Wer auf taube Ohren stößt, dem kann schon mal der Kragen platzen. Lehrer kennen das. Erzieherinnen. Und Eltern. Und hin und wieder soll das auch bei Ehepaaren vorkommen …

Unsere Beziehungen leben davon, dass wir miteinander reden, einander zuhören. Und zwar gut zuhören! Beziehungen werden krank, wenn keiner mehr dem anderen zuhört. Wenn sich zwei nicht mehr zuhören, haben sie sich irgendwann auch nichts mehr zu sagen.

Richtig zuhören heißt aktiv zuhören. Auch der Augenkontakt ist dabei wichtig. Welchen Gesichtsausdruck hat mein Gegenüber? Was signalisieren die Augen, die Mundwinkel? Freude, Enttäuschung?

Es ist respektvoll, den anderen nicht zu unterbrechen. Es ist respektlos, wenn ich meinen Gesprächspartner als dumm hinstelle und nur die eigene Meinung gelten lasse. Und schon gar nicht darf ich Argumente durch Lautstärke ersetzen.

Gut zuhören, das kann wirklich schwierig sein. Nicht nur im direkten Gespräch sondern auch in den sozialen Netzwerken. Ich kommuniziere gerne mit meiner Familie und mit Freunden mit WhatsApp. Oft mache ich ein Emoticon dazu. Mir hilft das, wenn ich meine Mimik, meine Stimmung damit ausdrücken kann. Das geht vielen Menschen so. Täglich sollen 6 Milliarden Emoticons ausgetauscht werden, las ich.

Wie schwierig ist es, Gott zuzuhören?

„Am Anfang war das Wort. Das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott selbst“, schreibt der Apostel Johannes. So beginnt sein Evangelium von Jesus Christus. „Das Wort wurde Mensch und lebte unter uns. Wir selbst haben seine göttliche Herrlichkeit gesehen, wie sie Gott nur seinem einzigen Sohn gibt. In ihm sind Gottes vergebende Liebe und Treue zu uns gekommen.“ (Joh. 1, 1 + 14)

Gott spricht durch seinen Sohn Jesus Christus. Er ist das Wort Gottes. Ich höre ihm gerne zu. Ich lese gerne in der Bibel. Dabei will ich auf ein paar Regeln moderner Kommunikation achten:

1. Ich höre Gottes Wort ohne Vorurteile zu. Auch wenn andere Menschen Negatives darüber gesagt haben – ich will mir eine eigene Meinung bilden. Ich stecke Gottes Wort nicht in eine Schublade, die mir andere anbieten.

2. Ich lasse mich von Gottes Wort korrigieren. Vielleicht lag ich mit meiner Sicht bisher falsch? Was wäre, wenn Gottes Wort recht hat, und ich mich irre?

3. Ich kämpfe nicht mit meinem Gesprächspartner, dem Wort Gottes. Es ist nicht mein Gegner, mein Feind. Gottes Wort will mir helfen. Denn Gott liebt mich. Er redet aus Liebe zu mir.

4. Wenn mich Gottes Wort überzeugt, dann darf ich meine Meinung ändern. Ich muss nicht stur bei meiner bisherigen Einstellung bleiben. Gottes Wort kann aus einem Saulus einen Paulus machen. Ich lasse Veränderungen in meinem Denken zu.

5. Ich frage nach, wenn ich etwas nicht verstanden habe. Ich suche nach Antworten. Ich vertraue der Zusage Jesu: Bittet Gott, und er wird euch geben. Sucht, und ihr werdet finden. Klopf an, und euch wird die Tür geöffnet (Mt.7:7) Ich darf fragen, wenn ich etwas nicht verstanden habe!

Gott zuhören, das kann ganz spannend sein. Ich habe einen schönen Satz der Benediktinerin Kyrilla Spiecker entdeckt: Wenn du lange genug dein Ohr an Gottes Wort hast, kannst du sein Herz schlagen hören.

Ein wunderschöner Gedanke, dass ich Gottes Herzschlag hören kann! Der Herzschlag Gottes  ist Jesus Christus. Er selbst ist das lebendige Wort Gottes. Wer ihn hört, der weiß, wofür Gottes Herz schlägt: für Sie, für mich. Für unsere Familien. Für unsere Freunde, auch in den Sozialen Netzwerken. Gottes Herz schlägt für diese Welt!

Wie wäre es, nicht nur den Freunden ein Emoticon zu zeigen, sondern auch Gott? Ab und zu in der Bibel ein Emoticon neben das Wort Gottes zu malen? Ihm zeigen, was das Herz beim Hören bewegt. Probieren Sie es!

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