Und der HERR sprach zu Abram: Verlass deine Heimat, deine Verwandten und die Familie deines Vaters und geh in das Land, das ich dir zeigen werde. Von dir wird ein großes Volk abstammen. Ich will dich segnen und du sollst in der ganzen Welt bekannt sein. Ich will dich zum Segen für andere machen. … Alle Völker der Erde werden durch dich gesegnet werden. Abram machte sich auf den Weg, wie der HERR es ihm befohlen hatte.

 

Gen. 12, 1 – 4

 

Zu allen Zeiten sind Menschen aufgebrochen in eine neue Welt. Haben alles zurückgelassen,

um eine bessere Zukunft zu finden. Aktuell erleben wir das in Europa. Menschen verlassen ihre Heimat, lassen ihre Familien zurück, suchen Schutz. Suchen das Glück in der Fremde.

 

Nach Mitteilung des UNHCR Deutschlands waren Ende des Jahres 2016 waren 65,6 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Rund 22,5 Millionen dieser Menschen sind Flüchtlinge, die vor Konflikten, Verfolgung oder schweren Menschenrechtsverletzungen aus ihrer Heimat flohen.

55% der weltweiten Flüchtlinge kommen aus dem Südsudan, Afghanistan und Syrien.

 

Ich kenne Menschen, die wegen ihres christlichen Glaubens fliehen mussten. Menschen,

die wegen ihres Glaubens an Jesus Christus in ihrer Heimat verfolgt werden. Das kennen wir Europäer, auch wenn es lange zurück liegt. Erinnert sei an die Auswanderung vieler Christen nach Amerika. Als 1620 die Mayflower über den Atlantik nach Neuengland segelte, hofften diese Pilger auf  Glaubensfreiheit in der neuen Welt.

 

Mit Flucht hat die Geschichte Abrams nichts zu tun. Abram war nicht auf der Flucht. Sein Weg in ein neues Land war die einmalige Berufung Gottes. Gottes Weg mit Abram ist ein ganz besonderer, einmaliger Weg. Aber es gibt doch drei Aussagen in diesem ur-alten Text, die mich nachdenklich machen. Die etwas mit meinem christlichen Glauben zu tun haben:

 

1.Geh!
 

Gott sagte zu Abram: „Geh!“ Gott fordert ihn auf, alles zurück zu lassen. Sein Vaterland, seine Verwandtschaft. Alles. Ich kenne Lebensgeschichten, die ähnlich verliefen. Menschen, die alles zurücklassen mussten, was ihnen lieb und teuer war. Nicht, weil Gott sie dazu aufgefordert hatte, sondern weil das Leben solch radikale Veränderungen mit sich brachte. Jemand musste nach einer Scheidung oder nach dem Verlust des Arbeitsplatzes wieder bei Null anfangen. Ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall, das Leben in einem Pflegeheim – dramatische Wendepunkte im Leben. Und plötzlich heißt es: Geh in „unbekanntes Land“.

 

Geh! Aber wohin? Abram hatte wahrscheinlich keine Vorstellung, was ihn erwarten würde. Gott sagte: ich zeige dir das Land, wohin du gehen wirst. Ich bin dein Reiseleiter auf diesem Weg ins Neuland! Ich weiß, wie du dort hin kommst. Ich weiß, was dich erwartet.

2. Geh, mit Reiseleiter!

 

Vor ein paar Wochen war ich wieder mit der Bahn unterwegs. Ich musste umsteigen, aber der Anschluss-Zug war ausgefallen. Ich fand eine andere Zugverbindung und wollte weiter, als mich eine Frau auf dem Bahnsteig ansprach. Sie wusste nicht, wie sie weiterkommen sollte und bat mich um Hilfe. Wir hatten dasselbe Ziel! Sie fuhr mit mir. Als wir ankamen, sagte sie: wie gut, dass ich Sie getroffen habe! Ich wusste nicht, wie ich weitergekommen wäre.

 

Es ist gut, wenn wir jemand haben, der den Weg kennt. Wenn wir Reiseleiter haben auf dem Weg in unbekanntes Land. Wenn uns jemand begleitet und uns Wege zeigt, wie wir weiterkommen können. Übrigens brauchen Kinder ständig diese Begleitung auf dem Weg ins Erwachsenwerden. Erwachsene müssen ihnen die Schritte ins Leben zeigen.

 

Aber auch wir Erwachsenen brauchen einen  „Reiseleiter“ durchs Leben. Dieser „Reiseleiter“ ist Jesus Christus. Er ist sogar der Weg selbst! Jesus Christus sagt: ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. (Joh. 14:6). Auf meinen Wegen durch die Zeit, durch das Leben bin ich begleitet von dem, der selbst Weg und Ziel ist. Besser geht´s nicht!

 

Das Leben ist immer wieder ein Aufbrechen, ein Losgehen in eine ungewisse Zukunft. Gott fordert sogar immer dazu auf, das alte Leben zurückzulassen und den neuen Weg mit ihm zu gehen. Jesus fordert auf: Komm zu mir! Denn ich bin der Weg zum Leben, der Weg zum Vater.

 

3. Gesegnet bleiben!

 

Gott sagt Abram seinen Segen zu auf seinem Weg. Abram ist gesegnet im Gehen und im Ankommen. Auch wir sind gesegnete Menschen, wenn wir mit Gott aufbrechen. Wenn wir das alte Leben zurücklassen. Wenn wir uns trennen von Schuld und Sünde. Wenn wir die Lasten der Vergangenheit hinter uns lassen. Wenn wir zu Jesus Christus kommen, bei ihm ankommen.

 

So werden wir gesegnet sein auf allen großen oder kleinen Abschnitten unseres Lebensweges.  Gesegnet sein bedeutet mir: Gott ist und bleibt bei mir. Jeden Tag darf in seiner Gegenwart aufbrechen und ankommen. Ganz gleich, wie meine Lebenssituation heute aussieht. Gott sagt mir am frühen Morgen: geh! Geh los in diesen Tag! Wage mutig Schritte. Ich bin bei dir. Geh hin zu Jesus Christus. Er ruft dir zu: komm! ER ist das Ziel dieses Tages: seine Gemeinschaft, seine Liebe, sein Trost, seine Hoffnung. Schauen wir jeden Tag auf zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens (Hebr.12:2).

 

Abram, den Gott später Abraham nannte, wurde zum Segen für die ganze Menschheit. Die ersten Worte im Neuen Testament beginnen so: „Dies ist das Buch von der Geschichte Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.“ (Matthäus-Evangelium 1:1) In Jesus Christus vollendet Gott seine Segensgeschichte mit uns. Jeder Mensch ist eingeladen, sich von Jesus Christus segnen zu lassen. Jeder Mensch darf selbst zum Segen für andere werden. Vielleicht ist dieser Gedanke Neuland?

 

Jesus Christus sagte (Mt. 25): Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr seid zu mir gekommen. Wie wäre es, unsere Mitmenschen zu begleiten im Neuland der Not, der Trostlosigkeit und der Einsamkeit? Dieses Neuland ist ständig um uns. Die Frage ist: wollen wir es betreten?

 

Christ-sein ist dynamisches Leben. Es ist die tägliche Reise zwischen dem „Geh!“, zu dem Gott auffordert, und dem „Komm!“, zu dem Jesus Christus einlädt. Kommen zum Kreuz von Golgatha.  "Durch den Tod Jesu am Kreuz hat Gott allen Völkern den Segen geschenkt, den er Abraham zugesagt hatte (Galater 3:14). Gott gibt uns seinen Heiligen Geist, wenn wir zu diesem Geschenk des Glaubens JA sagen.

 

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen

Hans-Peter Nann

 

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