Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.
1.Joh. 4:16

Liebe Leser,

warum endet Liebe? Dieser Frage ging die israelische Soziologin Eva Illouz von der Hebräischen Universität in Jerusalem nach. In einem Zeitungsinterview mit der WELT* erzählt sie, dass viel über den Anfang einer Liebe geschrieben wird. Aber nur selten etwas über das Ende. Liebe ist für sie der „Konsum einer Emotion“.  Sie meint damit, dass Gefühle heute so käuflich sind wie neue Kleidung oder neue Schuhe, wie ein neues Auto oder ein neues Smartphone. Was wir besitzen wollen, weckt in uns Gefühle. Wenn die Gefühle verflogen sind? Dann brauche ich wieder etwas Neues. Weil ich neue und schöne Gefühle haben will.

Ist Liebe tatsächlich ein Konsum der Gefühle? Ich glaube nicht! Es wäre entsetzlich, wenn Gottes Liebe so wäre. Ich bin sehr froh, dass Gott mich nicht auf diese Art liebt! Denn dann hätte er mich bestimmt schon längst ausgetauscht. Wenn Gott abhängig wäre von solchen Gefühlen, dann hätte ich keine Chance, von ihm geliebt zu werden.

 „Gott ist Liebe“ schreibt der Apostel Johannes (1.Joh. 4,16). Was muss das für eine Liebe sein, mit der Gott einen Menschen liebt? Sie zeigt sich in Jesus Christus. Wer den Sohn Gottes sieht, sieht Gottes Liebe. Wer auf den Sohn Gottes hört, der hört Gottes Liebe.

Diese Liebe ist unsterblich. Sie bleibt ewig. Der Apostel Paulus sagt es so: „Die Liebe hört niemals auf“ (1.Kor. 13:8). Menschliche Gefühle können sich verändern, sogar aufhören. Aber nicht die wahre Liebe. Romantik, Sexualität, Erotik, sie können zu Ende gehen. Aber muss deshalb auch die Liebe am Ende sein? Ich denke nein.

„Ertragt einer den anderen in Liebe" schreibt Paulus (Epheser 4:2). Liebt einander, in dem ihr geduldig beieinander bleibt. Mit Sanftmut, mit Demut. Das ist jenseits der romantischen Gefühle eine hohe Messlatte! Die „lieben“ Mitmenschen ertragen, die nicht ganz so liebenswürdig sind wie ich. Die in meinen Augen nicht würdig sind, geliebt zu werden.

Diese Liebe ist die Basis für eine intakte Beziehung. Eine Liebe, die den Anderen ertragen kann, wird tragfähig. Sie erträgt die Veränderungen, die es in unseren Beziehungen immer wieder gibt. Sie trägt liebevoll den Ehepartner in Zeiten der Krankheit. Sie trägt liebevoll das beruflich gescheiterte Kind durch die Krise. Sie begleitet andere in ihren Höhenflügen und bleibt bei ihnen auch in den Tiefen des Leidens. Der Andere bleibt wertvoll, liebens-würdig. Geliebt. Sie oder er ist eben nicht austauschbar.

Liebe ist stark wie der Tod, und Leidenschaft ist unwiderstehlich, schreibt Salomo in seinem Hohelied der Liebe (Hoheslied 8:6). So kenne ich Gott: er liebt leidenschaftlich! Seine Liebe ist sogar stärker als der Tod. Der Tod konnte die Liebe Gottes - Jesus Christus - nicht auslöschen. Jesus Christus hat den Tod am Ostermorgen besiegt. Er ist auferstanden zu neuem, unvergänglichem Leben. Wer ihm heute vertraut, wird ewig sein geliebtes Kind bleiben.

Jesus Christus ist für die wenigsten Menschen die große Liebe auf den ersten Blick (vermute ich). Vielleicht ist die Liebe zu ihm vergleichbar mit einem Schiff? Stellen Sie sich vor, Sie stehen im Hafen. Am Horizont sehen Sie ein Schiff. Es ist noch ganz weit weg. Doch langsam kommt es näher, wird immer größer. Konturen der Liebe werden erkennbar. Dann endlich ist das Schiff da. Die Liebe Gottes ist wunderschön und unvorstellbar groß. Und Gott bittet Sie, an Bord zu kommen. Mit ihm unterwegs zu sein, ein Leben lang. Für immer an Bord zu bleiben.

Die Liebe Gottes ist kein Traumschiff. Wer Jesus Christus sieht mit seinen ausgebreiteten Armen, der darf wissen: er ist geliebt. Aber die Liebe Gottes erlebt nur, wer sie auch erwartet. Wie ein Schiff im Hafen.

Eine gesegnte Woche wünscht Ihnen
Hans-Peter Nann

 

Gebet:

Jesus Christus, ich danke dir, dass du mich liebst.
Lass mich jeden Tag leben als dein geliebter Mensch.
Lass mich jeden Tag anderen deine Liebe weitergeben.
Lass deine Liebe in mir größer werden als meine Gefühle.
Lege in meinem Leben an wie ein Schiff im Hafen.

Amen.


*WELT vom 20.10.18, S. 29

 

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