1. Advent: Gott bewegt

In dieser Nacht bewachten draußen auf dem Feld einige Hirten ihre Herden. Plötzlich trat ein Engel Gottes zu ihnen, und Gottes Licht umstrahlte sie. Die Hirten erschraken sehr, aber der Engel sagte: "Fürchtet euch nicht! Ich verkünde euch eine Botschaft, die das ganze Volk mit großer Freude erfüllt: Heute ist für euch in der Stadt, in der schon David geboren wurde, der lang ersehnte Retter zur Welt gekommen. Es ist Christus, der Herr.

Lukas-Evangelium 2:8-11

Liebe Leser,

am Volkstrauertag, zwei Wochen vor dem Advent, sprach der französische Staatspräsident Emmanuel  Macron vor dem Deutschen Bundestag. Wir Deutschen erinnern an diesem Gedenktag an die Opfer zweier Weltkriege, an die Opfer von Gewalt und Gewaltherrschaft aller Nationen. Es war eine bewegende Rede, berichteten die Medien. Er bekam viel Applaus!

Macron hatte eine eindringliche Zukunftsbotschaft dabei: um die vielen Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen, muss Europa „ein neues Kapitel aufschlagen“.

Vor rund 2000 Jahren hat Gott ein neues Kapitel aufgeschlagen. Er schickt einen Boten, also einen Engel, mit einer bewegenden Zukunftsbotschaft zu seinem Volk: der lang ersehnte Retter ist geboren! Freut euch!

Gott muss ein neues Kapitel in der Menschheitsgeschichte aufschlagen. Die Menschen waren den Herausforderungen nicht gewachsen. Sie konnten nicht in Frieden leben, zwängten einander in politische und religiöse Systeme. Menschlichkeit versagte damals schon.

Seine Zukunftsvision hatte Gott schon lange vorher seinem  Propheten gesagt: ein junger Trieb sprießt aus dem Königshaus Davids empor. „Der Geist des Herrn wird auf ihm ruhen, ein Geist der Weisheit  und der Einsicht, ein Geist des Rates und der Stärke, der Erkenntnis und Ehrfurcht vor Gott.“ (Jesaja 11, 1 f).

Der Bote Gottes verkündet: jetzt ist dieses neue Kapitel aufgeschlagen. Jetzt ist der Messias da. Jesus ist geboren. In der Stadt Davids, in Bethlehem.

Aber Gott macht es ganz anders, als gedacht. Der Engel besucht  nicht das theologische Oberhaupt in Jerusalem. Er redet auch nicht mit dem  amtierenden Staatsoberhaupt. Nein, Gott macht keinen Antrittsbesuch bei Würdenträgern und den Mächtigen in Politik und Wirtschaft. Er geht einfach zu einfachen Leuten, die gerade in der Nachtschicht arbeiten. Schafhirten. Er besucht sie am Arbeitsplatz. Sie haben keinen leichten Job. Müssen nachts die Viehherden bewachen vor Dieben  und Bären. Vielleicht waren sie übermüdet und hatten Ringe unter den Augen. Dufteten nach Schweiß und Schafmist.

Aber ihnen erscheint Gottes Glanz und Herrlichkeit. Sie hören die gute Nachricht von der Geburt des Messias als Erste. So ist Gott: er fängt unten an. Er lässt seinen Sohn nicht im hellblauen Himmelbett zur Welt kommen, sondern in einem stinkigen Stall, auf Stroh. Gott scheut sich nicht, die Finger dreckig zu machen. Er mutet seinem Messias zu, was für die einfachen Menschen damals Alltag war.

Gott will im Leben ein neues Kapitel aufschlagen. Er fängt unten an, arbeitet am Fundament. Das legt er neu durch seinen Sohn Jesus. Advent heißt: Der Geist Jesu will zu uns kommen. Der Geist der Weisheit und der Einsicht, des Verstandes , der Kraft und der Ehrfurcht vor Gott, dem Vater im Himmel.  Das ist keine Vision. Das wird Realität für den, der sich von Gott bewegen lässt.

Gebet:

Gott, ich danke dir, dass du dein Wort wahr gemacht hast!
Wo du aufgenommen wirst, bewegt sich ein Menschenherz.
Ich danke dir, dass du in meinem Leben ein neues Kapitel aufschlagen willst.
Erfülle mein Herz mit deinem Frieden und dieser großen Freude, die der Engel versprochen hat.

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