Psalm 33, 20 – 22

 

Wir setzen unsere Hoffnung auf den Herrn, er steht uns bei und rettet uns. Er ist unsere ganze Freude, wir vertrauen ihm, dem heiligen Gott. Herr, lass uns deine Güte erfahren, wir hoffen auf dich!

 

Liebe Leser,

 

ein altes deutsches Sprichwort sagt: „Hoffen und Harren macht manchen zum Narren.“ Ein Narr möchte niemand sein. Aber vergebliche Hoffnungen kennen doch die meisten unter uns. Auch ich! Ausharren ohne Erfolg? Ja, kenne ich!

 

Ich bin überzeugt, dass jeder Mensch diese Hoffnungen kennt: „Es muss doch irgendwann besser werden! Es muss sich doch endlich lohnen, was ich mache! Das große Glück wird doch irgendwann auch zu mir kommen!“

 

Vergeblich hoffen, umsonst warten, das hat schon Viele maßlos enttäuscht. Das hat sogar verbittert wenn meine Hoffnungen kaputt gemacht wurden durch Intrigen, durch falsche Versprechungen, durch Lügen. Wer darunter gelitten hat, glaubt so leicht an nichts mehr.

 

Was tun? Sich damit abfinden? Nichts mehr erwarten! Nichts von anderen Menschen, und schon gar nichts von Gott! Was sollte man von Gott auch erwarten?

 

Doch es gibt diese eine Hoffnung, die niemanden zum Narren macht. Es gibt eine Hoffnung, die Hand und Fuß hat: Jesus Christus! Von ihm darf ich alles erwarten.
 

1. Hoffen heißt Vertrauen
 

Wer seine Hoffnung auf einen anderen Menschen setzt, vertraut ihm. Mir fällt eine Frau ein, die eine schwere Augenerkrankung hatte. Sie suchte einen Spezialisten und setzte ihre ganze Hoffnung auf diesen Arzt. Doch dann wurde sie bitter enttäuscht. Die ärztliche Kunst brachte nicht den erhofften Erfolg. Das Wunder blieb aus.

 

Viele Menschen hoffen auf Veränderungen durch die Politik. Sie geben bei Wahlen ihre Stimme Politikern, die ihnen Hoffnung machen. Hoffnungen auf neue Jobs, auf Wohlstand, soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz.

 

In der deutschen Flüchtlingskrise im Jahr 2015 machte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Deutschen Hoffnung, das Problem zu bewältigen: „Wir schaffen das!“ Ein inzwischen legendärer Satz.

 

Mit vier Worten weckte Präsident Donald Trump Hoffnungen bei vielen Amerikanern:

 „Make America great again!“

 

Etwas Neues schaffen versprach der französische Präsident Emmanuel Macron mit dem „En Marche – Gefühl“. In einem Kommentar schrieb jemand: „Ich glaube ihm. Ich vertraue ihm!“

 

Welche Hoffnungen setzen Sie auf die Politiker Ihres Landes? In einer deutschen Zeitung schrieb ein Journalist „Es gehört zu einer gesunden Demokratie, dass die Bürger ihren Politikern nicht alles glauben.“ (Boris Herrmann, SZ v. 9.8.2018, „Es fehlt der Glaube“)

 

Eine gesunde Portion Skepsis bei den Versprechen der Politik behalten, das sehe ich auch so. Nüchtern bleiben und nicht jedem Versprechen blind vertrauen.

 

Brauchen wir auch beim Glauben an Gott diese Skepsis? Oder im Gegenteil volles Vertrauen? Der Beter des Psalms sagt: „Ich hoffe auf den lebendigen Gott.“ Woher nimmt er dieses Vertrauen? Er kann Gott vertrauen, weil er noch nie von IHM enttäuscht wurde. Er kennt Gott!

 

Vertrauen braucht immer ein Gegenüber, ein Gesicht. Das ist in der Politik so, das ist in Beziehungen so. Die Frau mit der Augenerkrankung vertraute einem ganz bestimmten Arzt. Von ihm persönlich wollte sie operiert werden. Von ihm hatte sie gehört. Er war ihr empfohlen worden. Nur von ihm wollte sie behandelt werden. Nicht von seinem Stellvertreter.

 

Vertrauen braucht ein Gegenüber, ein Gesicht. Unser Glaube an Gott hat so ein Gesicht. Wir Christen kennen Gott mit Namen: Jesus Christus. Ihm kann ich vertrauen. Ich kenne die vielen Berichte über Menschen, die ihre ganz Hoffnung auf ihn setzten und keiner wurde enttäuscht. Ich gehöre dazu! Eines Tages habe auch ich gesagt: Jesus Christus, ich vertraue dir. Ich vertraue dir mein Leben an. Ich setze meine Hoffnungen nicht mehr auf andere, sondern auf dich. Seither erfüllt der auferstandene und lebendige Jesus Christus mein Leben mit Glaube, Liebe und Hoffnung.

 

Das hat mir menschliche Enttäuschungen nicht erspart. Auch als Christ wurde ich enttäuscht von Mitmenschen, von anderen Christen. Das bleibt leider nicht aus. Auch Christen bleiben Menschen mit Fehlern und Schwächen. Wer weiß, wie oft ich Andere schon enttäuscht habe? Wer hatte auf mich Hoffnungen gesetzt, die ich nicht erfüllen konnte?

 

Aber: Jesus Christus hat mich nie enttäuscht. Sein Wort ist wahr und hält, was es verspricht! Darauf haben Sie mein Wort!

 

2. Gott, dem Vater vertrauen
 

Gott als liebend Vater sehen, das fällt vielen Menschen schwer. Wir haben unterschiedliche Vater-Erfahrungen, die uns prägen. Wer seinen Vater nie gekannt hat, dem fehlt vielleicht eine positive Vater-Erfahrung. Wer seinen Vater nur erlebt hat als Alkoholiker, der die Mutter geschlagen hat, unter dem man gelitten hat, der verbindet mit dem Wort „Vater“ nichts Gutes.

 

Traumatische Kindheitserfahrungen können das Gottesbild vom „liebenden Vater“ zerstören. Nicht alle kennen dieses Ur-Vertrauen, das kleine Kinder in Erwachsene haben. Kennen Sie diese Freude, wenn kleine Kinder auf eine Mauer kletterten und dann in die offenen Arme springen? Wunderbare Kindheits-Erfahrungen, die Kinder prägen. Dem Papa, der Mama, der Tante, dem Opa in die Arme springen! Und beide freuen sich darüber!

 

„Er ist unsere ganze Freude, wir vertrauen ihm, dem heiligen Gott“, schreibt der Psalm-Beter. Auch er freut sich! Sein Vertrauen in den heiligen Gott erfüllt ihn mit Freude! Erfülltes Vertrauen führt zur Freude.

 

Der Bibeltext lädt ein, dem liebenden Vater im Himmel vertrauen. Das heißt übertragen, ich „springe von jeder Mauer“ in Gottes Arme. Ich bin ganz sicher, du mein Gott, fängst mich auf. Du, mein Vater im Himmel, lässt mich nicht abstürzen. Du lässt mich nicht ins uferlose fallen. Auch wenn mir mein Sprung unendlich lang vorkommt. Auch wenn ich doch Angst bekomme: ich vertraue dir! Ich hoffe auf deine starken Arme, ich hoffe auf deine Kraft. Ich sehne mich danach, in deinen Armen unendlich geborgen zu sein.

 

Daher meine ich, wir sollten uns in der Politik eine gesunde Portion Skepsis bewahren. Ich will nicht falschen Versprechungen vertrauen. Da könnte ich schnell zum Narren werden. Aber Gott, dem Vater im Himmel, will ich vertrauen. Er empfängt Sie und mich mit offenen Armen.

 

Ich wünsche Ihnen dieses feste Vertrauen in Gott, den Vater, und in Jesus Christus, den Sohn. „Weil ihr nun seine Kinder seid, schenkte euch Gott seinen Geist, denselben Geist, den auch der Sohn Jesus Christus hat. Deshalb dürfen wir jetzt im Gebet zu Gott sagen: lieber Vater!“ (Galater 4:6)

 

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