Das Licht scheint in der Finsternis, und Finsternis hat es nicht ergriffen

(Joh. 1:5)

Um Mitternacht beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und die Gefangenen hörten sie. (ApG. 16:25)

Am 18. April 2018 suchten 1500 Polizisten in ganz Deutschland nach Menschenhändlern. Kriminelle beuteten thailändische Prostituierte aus. In mehr als 60 Bordellen wurden Razzien durchgeführt. Diese Frauen waren Opfer von Schleusern. Sie kassierten zwischen 16 000 € und 36 000 € für die illegale Einreise in die EU. Das mussten die Frauen in den Bordellen abarbeiten. Die Köpfe dieser Bande sind laut Staatsanwaltschaft eine 59jähre Thailänderin und ihr 62jährer deutscher Lebenspartner. Sie kamen in Untersuchungshaft. Gegen weitere 56 Personen, darunter 41 Frauen, wird nun wegen Einschleusen von Ausländern, Zuhälterei und Zwangsprostitution ermittelt.
 

Die Ausbeutung von Frauen war auch Realität in der Antike. Der Predigttext für diesen Sonntag berichtet davon:

 

In Philippi (im heutigen Griechenland) begegnen sich der Apostel Paulus und eine junge Frau (Apostelgeschichte 16:6). Paulus ist mit seinen Leuten auf dem Weg zum Gottesdienst. Die junge Frau ist Wahrsagerin. Sie gehört Männern, die an ihr gut verdienen. Das Geschäft mit der Wahrsagerei blüht. Die junge Frau ist Mittel zum Zweck.

 

Plötzlich läuft diese Frau hinter Paulus & Co. her und fängt an zu schreien:

 

Diese Männer dienen dem höchsten Gott! Sie sind gekommen, um euch den Weg der Rettung zu zeigen!“ (Apg. 16:17)

 

Die Wahrsagerin erkennt sofort, dass Paulus ein Mann Gottes ist.

 

So geht das tagelang. Immer wieder verfolgt sie Paulus und Silas und schreit. Das geht Paulus irgendwann auf die Nerven. Er will nicht, dass dämonische Mächte Gott proklamieren. Gott will keine Wahrsagerei. Menschen sollen nicht Totengeister oder Beschwörer befragen, sondern sich an den lebendigen Gott wenden (Jesaja 8:19). Alles andere ist Götzendienst.

 

Paulus erkennt, dass diese Frau unter Zwang steht. Sie muss so handeln. Doch dieser versklavten Frau will er die Freiheit bringen. Die Freiheit, die Jesus Christus gibt. Freiheit von Okkultismus. Freiheit, von menschlicher Abhängigkeit. Deshalb wendet er sich an den Dämonen:

 

Ich befehle dir im Namen von Jesus Christus, diese Frau zu verlassen.“ (ApG 16:18)

 

Sofort wird diese Frau frei von ihrer okkulten Belastung. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ (Gal. 5:1) „Gott hat einen hohen Preis für euch bezahlt, deshalb werdet nicht Sklaven von Menschen.“ (1. Kor. 7:23)

 

Das hat Konsequenzen. Die Zuhälter verlieren ihre Einnahmequelle. Die Ausbeutung dieser Frau ist zu Ende, endlich! Doch jetzt geht es Paulus und Silas an den Kragen. Sie werden vor die Stadtregierung geschleppt. Antisemitismus wird hörbar: „Es sind Juden!“ Damit wird öffentlich Stimmung gegen Paulus und Silas gemacht. Dann kommt eine dreiste Lüge: „Diese Aufrührer reden den Leuten Dinge ein, die gegen das römische Recht sind.“

 

Ohne Anhörung, ohne Prozess werden die beiden Männer ausgepeitscht. Nach der Folter  kommen sie ins Gefängnis. Die Füße in einen Holzblock gequetscht. Fluchtgefahr?

 

Es sieht aus, als hätte das Unrecht gesiegt. Es sieht aus, als hätte Finsternis in Herzen und Gedanken der Philipper das Licht des Evangeliums ausgelöscht. Aber es ist umgekehrt: das Licht Gottes verdrängt die Finsternis. Es wird wahr, was der Apostel Johannes in Joh. 1:5 sagt: „Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis  konnte es nicht auslöschen.“

 

Um Mitternacht leuchtet das Licht Gottes ganz hell in die Gefängniszellen. Paulus und Silas singen Loblieder auf Gott. Sie loben Gott. Es gibt keine Hasstiraden an die Zuhälter. Keine Beleidigungen der Justiz. Keine Vorwürfe an Gott. Paulus und Silas beten und singen. Sie loben ihren großen Gott. Und alle Mitgefangenen hören zu.

 

Gott beantwortet den Lobpreis seiner Zeugen: ein Erdbeben erschüttert das Gefängnis. Die Wände wackeln und die Türen gehen auf. Fesseln fallen von Händen und Füßen der Gefangenen.

 

Das stürzt den Gefängnis-Chef in Panik. Er sieht die offenen Türen. Alle sind geflohen! Das ist sein Ende. Das wird ihn Kopf und Kragen kosten! Er will sich umbringen.

 

Doch Paulus bewahrt ihn in seiner Verzweiflung: „Tu dir nichts an!!“ (ApG. 16:28)

 

Was dann folgt, ist die entscheidende Wende im Leben des Gefängnis-Aufsehers. Er fragt nach Gott. „Was muss ich tun, dass ich gerettet werde?“ Da will einer raus aus aller Finsternis. Da sehnt sich einer nach neuem Leben mit Gott. Da fragt einer nach dem Sinn seines Lebens. Er ahnt: so kann es nicht weiter gehen. So will ich nicht weiter leben!

 

Paulus hilft ihm: „Glaube an den HERRN Jesus, so wirst du und dein Haus selig!“ Glaube an Jesus Christus. Er ist der HERR. Dann wirst du gerettet, zusammen mit allen in deinem Haus (ApG 16:31). Noch in derselben Nacht lässt er sich taufen.

 

Die Bibel sagt nicht, was aus ihm wurde. Sie berichtet auch nichts über die junge Frau, die frei wurde von ihren dämonischen Zuhältern. Vielleicht fanden beide in die christliche Hausgemeinde der Lydia (ApG. 16: 11 – 15). In Philippi wuchs eine christliche Gemeinde. Paulus schreibt diesen Christen später:

 

„Ich bete darum, dass eure Liebe zueinander noch tiefer wird und dass sie an Erkenntnis und Einsicht zunimmt.“ Und: „Jesus Christus erfüllt euch mit dem Guten, dass der Glaube in euch bewirkt, denn so wird Gott geehrt.“ (Phil. 1:9/11).

 

Die Liebe hatte gesiegt, die Schatten der Gegenwart waren der Freude gewichen. Die Finsternis konnte das Licht Jesu nicht auslöschen.

 

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche mit dem Segensgruß aus Philipper 4:7:

„Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.“ 

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