2. Advent: Spaß oder Freude?
 

Ein Engel sagte den Hirten:„Ich bin hier, um euch eine wunderbare Nachricht zu bringen! Große Freude bedeutet sie für alle Menschen. Heute ist für euch der Weltenretter geboren, der Messias, und zwar im Heimatort Davids.“

Lukas-Evangelium 2, 10

Liebe Leser,

wer keine Freude am Advent hat, sollte wenigstens Spaß daran haben. Das hat sich vermutlich der Kölner Schauspieler und Kabarettist Aydin Isik gedacht. Am 7. Dezember konnte man in Frankfurt sein Solo-Kabarett „Bevor der Messias kommt“ sehen.

Der Kabarettist fragt: wie kriegen wir das hin, dass der Messias vom Nahen Osten nach Europa kommt? Scheitert er auf seinem Weg übers Mittelmeer am europäischen Grenzschutz  FRONTEX? Wird der Heiland mit seinem Vollbart und den langen Haaren auf der italienischen Insel Lampedusa im Knast eingesperrt? Und natürlich stellt Aydin Isik die wichtige Frage: sind wir auf den Messias vorbereitet? Sind wir (Europäer? Deutsche? Frankfurter?) so weit, ihn zu empfangen? Müssen wir vorher was beichten?? Welche Ausreden helfen uns wenn wir erklären wollen, warum wir es mit der Bergpredigt nicht so genau genommen haben?

Ich finde es interessant, dass ein Kabarettist die Frage nach der Wiederkunft des Messias stellt. Advent heißt ja Ankunft. Christen erwarten die Wiederkunft des Messias. Das gehört zum Glaubensbekenntnis der evangelischen und katholischen Christen. Ausgerechnet ein Kabarettist stellt die Frage: sind wir vorbereitet?

Genau um diese Frage geht es im Advent. Für uns Christen ist die Adventszeit eine Vorbereitung auf Weihnachten. Wir feiern die Geburt Jesu Christi, die Geburt des Messias. Wir bereiten uns vor mit vielen Aktivitäten, Weihnachtsfeiern mit Kollegen und Freunden, Einkäufen und Familienstress. Ein Elektronik-Händler schenkte mir z.B. ein Gutschein-Heft für die Adventstage: für jeden Tag ein Sonderangebot. Vom Batterie-Set über ein Fitness-Tracker-Band bis zum Lightning-Anschlusskabel: alles, was mein Männer-Herz erfreut.

Wie wäre es, „Bevor der Messias kommt“ ernsthaft nachzudenken, ob ich wirklich vorbereitet bin? Vorbereitet auf die Begegnung mit Jesus Christus, dem lebendigen Gottessohn. Nicht nur an Heiligabend im Festgottesdienst. Bin ich auch vorbereitet auf die Begegnung mit dem Messias in der Ewigkeit? Das kann schneller gehen als man denkt!

Die liturgische Farbe im Advent ist bei beiden christlichen Kirchen violett. Es ist die gleiche Farbe wie in der Passionszeit. Violett ist die Farbe der Buße. Der Kabarettist fragt: was müssten wir beichten? Ich denke, wer die Bergpredigt als Maßstab nimmt, hat viel Gesprächsstoff mit Gott.

Ob Aydin Isiks Zuhörer nach der Veranstaltung scharenweise in die nächste offene Kirche strömten, Buße taten und sich auf die Wiederkunft Jesu freuten? Oder ob sie erheitert in die vielen Cafés und Bars zogen? Ob sie ins Nachdenken kamen? Oder an diesem Abend nur Tränen lachten? Gott weiß es.

Der Eintritt kostete übrigens 25,10 €. Ein Adventsgebet zum Heiland und Retter der Welt ist gratis. Und die Adventsfreude, die der Messias schenkt, hält länger als einen Abend.

Ein Adventsgebet:

Jesus Christus, Heiland der Welt, hilf mir bei meinen Weihnachtsvorbereitungen.
Hilf mir dabei, mich vorzubereiten auf dein Fest, auf dein Wiederkommen.
Lass mich im Strudel der vielen Einkäufe, Besuche und Feiern nicht vergessen, dass es um dich geht.

Lass mich Ruhe bei dir finden.
Komme mir entgegen auf dem Meer meiner Zweifel und Fragen.
Korrigiere mein Denken und mein Tun.
Erfülle mein Herz mit der Freude und dem Frieden, die von dir kommen.

Amen.

 

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