Zufrieden sein

Jeder ist reich, der an Gott glaubt und mit dem zufrieden ist, was er hat. Denn wir sind in diese Welt gekommen, ohne etwas zu besitzen, und genau so werden wir sie wieder verlassen. Wenn wir zu essen haben und uns kleiden können, sollen wir zufrieden sein. … Denn Geldgier ist die Wurzel aller Übel.

1.Timotheus 6, 6 – 8, 10

Liebe Leser,

die Nächte werden kühler. Müssen Sie nachts frieren? In einem alten Brief las ich folgendes: „Lieber Vater und Schwester, es friert mich so, dass ihr es gar nicht glauben könnt, denn mir hat es verdrossen, dass ich kein Bett mitgenommen habe und ich muss diesen Winter so frieren. Liebe Schwester, sei doch so gut und schick es mir mit W., wenn der wiederkommt, und packe es in den Tannenkasten.“

Der Hilferuf einer armen Frau, die vor ungefähr hundert Jahren nach Amerika ausgewandert war. Die nicht das Geld hatte, sich eine wärmende Bettdecke zu kaufen. – Ich las diese uralten Zeilen in einer Ausstellung im Amerika-Hafen Steubenhöft in Cuxhaven.

Es gehört ganz sicher zu unseren Grundbedürfnissen, nachts nicht frieren zu müssen. Nicht nur ausreichend essen und trinken zu können, ausreichend Kleidung zu haben, sondern auch nachts schlafen zu können. In Frankfurt wird sicher auch im kommenden Winter der „Kälte-Bus“ wieder unterwegs sein und die Schlafplätze der Obdachlosen absuchen. Niemand soll frieren müssen oder gar erfrieren!

Wir Christen in Deutschland feiern am 7. Oktober das Erntedankfest. Viele Kirchen schmücken ihre Altäre mit Brot, Obst und Gemüse. 

Wer zum Gottesdienst kommt, soll daran erinnert werden, wem er ein Leben im Wohlstand zu verdanken hat. Dankbar sein für Saat und Ernte, für Arbeitsplätze und soziale Absicherung, für Freiheit und Demokratie, aber auch für Kleidung und ein Dach über dem Kopf.

Aber dankbar sein kann letztlich nur, wer auch zufrieden ist. Daran erinnert der Apostel Paulus in seinem sehr persönlichen Brief an seinen „geistlichen Sohn“ Timotheus. Zufrieden-sein ist der Schlüssel zur Dankbarkeit. Und genau an dieser Stelle haben vermutlich viele Menschen ihr Problem: Wann kann ich zufrieden sein? Wann ist „genug“ für mich tatsächlich genug?

Wie viel Paar Schuhe brauche ich? Wann kann ich sagen: es reicht!? Wann reicht mir das, was ich habe? Unsere westliche Konsumgesellschaft lebt davon, ständig Unzufriedenheit zu erzeugen. Der Wunsch nach Neuem, nach „Mehr“ soll ständig befriedigt werden. Wie viele Keller, Dachböden und Garagen sind inzwischen Lagerhallen des Überflusses?

Das muss schon in der Antike ein Thema gewesen sein – auch wenn es weder Keller noch Dachböden oder Garagen gab. Denn Paulus erinnert seinen jungen Mitarbeiter daran, sich mit dieser wichtigen Lebensfrage immer wieder auseinander zu setzen. Er soll sich immer wieder vor Augen halten, dass er mit nichts auf die Welt kam und auch mit nichts in die Ewigkeit gehen wird. Er soll lernen, zufrieden zu sein mit dem, was er hat.

Paulus kennt die große Gefahr, dass sogar der Glaube an Jesus Christus ins Wanken kommen kann, wenn es ums Geld geht. Er hatte schlechte Erfahrungen gemacht mit Predigern, die aus ihrem „Dienst“ Kapital schlagen wollten. Für die Glaube und Geldverdienen eine unheilige Verbindung eingegangen waren. Er kannte Christen, denen Reichtum wichtiger geworden war als die Beziehung zu Gott. Geldgier, schreibt Paulus, ist eine Wurzel allen Übels.

Jesus Christus warnt vor Habgier. Ein Mann bat ihn: „Meister, sag doch meinem Bruder, er soll doch unser Erbe gerecht mit mir teilen!“. Aber Jesus wies ihn zurück: „Bin ich euer Richter oder Schiedsmann?“ Da wollte wohl einer das Erbe teilen zu seinen Gunsten, mit Gottes Hilfe.

Jesus korrigiert das Anspruchsdenken seiner Zuhörer: „Hütet euch vor der Habgier! Wenn jemand auch noch so viel Geld hat, das Leben kann er sich damit nicht kaufen.“ (Lukas-Evangelium 12, 13 – 14). Das Geheimnis eines dankbaren Lebens liegt in der Zufriedenheit. Nicht in der Gier nach immer mehr.

Bei den Sprichwörtern fand ich ein Gebet, das von der Sehnsucht nach Zufriedenheit spricht. Agur, der Sohn Jakes betet (Sprüche 30, 7 – 9):

Gott, zwei Dinge erbitte ich von dir, verweigere sie mir nicht, bevor ich sterbe:
Bewahre mich davor, andere zu belügen oder zu betrügen.
Und lass mich weder arm noch reich werden, sondern gib mir gerade so viel, wie ich brauche.

Habe ich zu viel, so sage ich vielleicht: »Wozu brauche ich Gott«! Habe ich zu wenig, so fange ich vielleicht an zu stehlen und bringe deinen Namen in Verruf.“
 

»Lass mich das Brot, das ich brauche, genießen« heißt es in einer anderen Übersetzung. Da klingt sogar noch Freude mit beim Danken für das tägliche Brot. Und für die warme Bettdecke.

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