Jesus sagt: »Ihr wisst, dass es heißt: ›Du sollst nicht die Ehe brechen!‹ Doch ich sage euch: Schon wer eine Frau mit begehrlichen Blicken ansieht, der hat im Herzen mit ihr die Ehe gebrochen. Wenn dich also dein rechtes Auge zur Sünde verführt, dann reiß es heraus und wirf es weg! Besser, du verlierst eins deiner Glieder, als dass du unversehrt in die Hölle geworfen wirst. Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, so hack sie ab und wirf sie weg! Es ist besser, verstümmelt zu sein, als unversehrt in die Hölle zu kommen.« Matthäus 5, 27 – 30

 

Liebe Leser,

 

“Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht, alles, alles geht vorbei, doch wir sind uns treu“. Dieses Lied von Drafi Deutscher begeisterte 1965 ganz Deutschland. Sogar in den USA schaffte es die Platte auf die Hitliste mit dem Titel „Marble Breaks and Iron bends.“

 

Auf der Hitliste menschlicher Probleme stehen gescheiterte Ehen ganz weit oben. Manche Liebe zerbricht doch, damals wie heute. Im Schaufenster eines Textilgeschäftes sah ich Qualitäts-Geschirrtücher, made in Germany. Darunter den Satz: „Die halten länger als manche Ehe.“ Darüber könnte man lachen, wenn das Ende einer großen Liebe nicht so entsetzlich traurig wäre.

 

Im weltweiten Vergleich liegt die Scheidungsrate in Deutschland im Mittelfeld. 36 % der Ehen werden wieder geschieden. Für viele Paare ist nach sechs Jahren schon Schluss. Die meisten Scheidungen reichen bei uns Frauen ein (51%). Eine Scheidung ist für manches Paar die Ultima Ratio, die Lösung ihrer Krise. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass eine Scheidung heutzutage gesellschaftlich nicht mehr verurteilt wird. Scheidung ist für viele Menschen nicht mehr eine Gewissensentscheidung. Wichtiger sind die Fragen nach der weiteren finanziellen Versorgung und der Rentenansprüche.

 

Jesus nimmt Frauen in Schutz. Mit einer ungeheuren Schärfe knöpft sich Jesus die männliche Gesellschaft vor. Jesus warnt vor dem Zerbrechen ihrer Ehen. Der Bruch beginnt in euren Köpfen, sagt er. Beginnt mit Sehnsüchten. Beginnt in der Phantasie.

 

Mit seinen geradezu grotesken Bildern von der Selbstverstümmelung zeigt Jesus, wie wichtig ihm die Treue zum Ehepartner ist. Und welche Folgen Untreue hat. Die beiden Bilder vom Auge-ausreißen und Hand-abhacken wollen eines zeigen: Gott will Treue! Zum Partner. Zu ihm. Zu seinen Geboten. Das hat oberste Priorität. Gott will, dass die Ehepartner lebenslang zu ihrer Verantwortung stehen. Dass sie füreinander einstehen, gerade auch in schweren Zeiten. Gott will Treue für einander, weil er uns treu ist (siehe Hosea 2,21+22). Mit seinen beiden Bildern malt Jesus den Männern vor Augen, dass sie unter allen Umständen ihre Ehe erhalten sollen. Die Liebe zur Ehefrau, die Verantwortung für Kinder wiegt schwer in Gottes Augen. Denn die Ehe ist keine menschliche Erfindung, sie ist Geschenk Gottes. Gott selbst ordnet in der Schöpfung Mann und Frau einander in Liebe zu (Gen. 1, 27).

 

Dass die Ehe kein „Scherz oder Spiel“ ist, wusste auch der Reformator Martin Luther (1483 – 1546): „Im ersten Jahr ist wohl alles köstlich, fröhlich und lustig. Man verbringt diese Zeit mit Lachen und Liebhaben. Danach aber, wenn sich allerlei Jammer und Elend findet, ist es nötig, dass man Trost draus fasse zu wissen, es sei Gottes Wille, in diesem Stand zu leben.“

 

Dieser „Jammer und Elend“ können durch zornige und verletzende Streitereien kommen. Scharfe Worte, Rechthaberei schaffen ein giftiges Ehe-Klima. Sich auf Augenhöhe verständigen können, im Gespräch bleiben, das müssen manche Paare erst lernen. Der Umgang mit Geld ist eine weitere Quelle für Spannungen. Auch Fragen der Kindererziehung, der Umgang mit den Eltern und Schwiegereltern können zu Streit führen. Nicht zuletzt ist die Frage nach den sexuellen Bedürfnissen ein großes eheliches Thema. Werden die unterschiedlichen Bedürfnisse respektiert? Können Schwierigkeiten mit Einfühlungsvermögen und Offenheit besprochen werden?

 

Ich will noch einmal Martin Luther sinngemäß zitieren: `wenn der Mann der Frau nichts verzeiht (und umgekehrt) und die Frau für ihren Mann keine guten Worte hat (und umgekehrt), dann hat die Liebe bald ein Ende. Dann geht man irgendwann mit Fäusten aufeinander los oder lässt alles zergehen und verderben´.

 

Jesus lenkt den Blick aufs Herz. Dort beginnt der Ehebruch. Dort beginnt die Entfremdung. Wir sollten daher auf unser Herz achten. Männer und Frauen. An den Problemen arbeiten, damit das Feuer der Liebe nicht erlischt. Auch Hilfe suchen, wenn man alleine nicht mehr weiter kommt.

 

Bei Jean Gibson fand ich den Satz „Die Ehe ist eine bedingungslose Verpflichtung zu einer Beziehung mit einer fehlerhaften Person.“ Ein guter Merksatz! Vor allem, wenn man sich selbst und nicht nur den anderen als Mensch mit Fehlern begreift. Dieser Blickwinkel erinnert mich gleichzeitig an Gottes Liebe und Treue zu mir und meinem Ehepartner. Durch Jesus Christus nimmt uns Gott bedingungslos an. Er liebt uns beide, zwei fehlerhafte Menschen. Gott geht eine Verpflichtung mit uns ein, schließt einen Bund fürs Leben mit uns. Er bleibt uns treu! Das sagt er in seinem Wort (2. Tim 2, 13): „Sind wir untreu, so bleibt er doch treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“

 

„Nimm den goldenen Ring von mir“, sang Drafi Deutscher. Trauringe symbolisieren seit jeher Treue und Liebe. Der Ehering soll mich immer wieder an diesen Bund erinnern. Den Bund des Lebens, geschlossen vor Gott und mit einem Menschen, der so fehlerhaft ist wie ich selbst. Martin Luther hat die Ehe mit einem Garten verglichen. Er sagt: „Die Ehe ist Gottes allerliebster Gewürz- und Rosengarten, darin die allerschönsten Rosen und Nelken wachsen: das sind die lieben Menschenkinder, die nach dem Bilde Gottes geschaffen sind.“

 

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit. Und achten Sie auf Unkraut in Ihrem Ehe-Garten.

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