Selig sind, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden".

Mt. 5, 6

 

 

Liebe Leser,

 

in Frankfurts historischem Zentrum, dem Römerberg, steht der Gerechtigkeitsbrunnen. Er ist ein Wahrzeichen der Stadt, 1541 erbaut. Auf dem Brunnen thront die Justitia, eine Frauenfigur mit Waage und Richtschwert.

 

Justitia ist das lateinische Wort für Gerechtigkeit. Demokratien kennen die Gewaltenteilung in Legislative, Exekutive und Judikative. Die Gesetzgebung liegt beim Parlament, die Ausführung der Gesetze bei der Regierung, und die Kontrolle darüber bei unabhängigen Richtern.

 

In einem Rechtsstaat kann jeder Bürger vor einem Gericht sein Recht einklagen. Wer ungerecht behandelt wird, macht sein Recht geltend. Er fordert Gerechtigkeit. Das hat übrigens auch schon der Apostel Paulus gemacht. Nachdem er und sein Mitarbeiter Silas willkürlich Opfer brutaler Folter wurden, fordert er sein Recht: „Sie haben uns in aller Öffentlichkeit geschlagen und ohne jedes Gerichtsverfahren ins Gefängnis geworfen, obwohl wir römische Bürger sind. Und jetzt wollen sie uns heimlich und auf bequeme Weise loswerden! Aber das kommt gar nicht in Frage! Die Männer, die dafür verantwortlich sind, sollen persönlich kommen und uns aus dem Gefängnis führen.“ (ApG 16,37+38)

 

Paulus wollte gerecht behandelt werden. Deshalb fordert er von den Stadtrichtern sein Recht als römischer Bürger. Es gehört zu unseren menschlichen Grundbedürfnissen, gerecht behandelt zu werden. Niemand will ungerecht behandelt werden. Niemand will diskriminiert werden wegen seiner Hautfarbe oder seiner Religion oder aufgrund seines Geschlechts.

 

Ist Gott gerecht? Ja, die Bibel bezeugt es. Psalm 11,7 sagt „Der Herr ist gerecht und hat Gerechtigkeit lieb.“

 

Gott ist nicht nur gerecht, er liebt Gerechtigkeit! Er will, dass Menschen gerecht miteinander umgehen. Das zeigt sich am Beispiel der Waage. Die Justitia auf dem Frankfurter Gerechtigkeitsbrunnen hat eine Waage in der Hand. Das bedeutet: gleiches Recht für alle, gleiches Maß für alle. In Sprichwörter 20, 10 können wir lesen, was Gott hasst: zweierlei Gewicht und zweierlei Maß. Beides verabscheut Gott.

 

Gott will, dass Menschen gerecht miteinander umgehen. Das heißt für mich, mit anderen Menschen sorgfältig und verantwortungsvoll umzugehen. In den Sprichwörtern gibt es dafür ein schönes Bild. Gerechte Menschen, sagt Sprüche 12, 10, haben ein Herz für ihre Tiere: „Der Gerechte sorgt für das Wohl seiner Tiere, die Gottlosen aber sind herzlos.“

 

Nun können zweifellos auch Atheisten ein Herz für Tiere haben und liebevoll mit anderen Menschen umgehen. Aber Gott geht es nicht um ein Herz für Tiere, sondern um seine Gerechtigkeit. Die hat ein anderes Ziel: Gott sucht den Menschen, der nichts von ihm wissen will. Er sehnt sich nach denen, die ihm den Rücken zukehren. Es sucht den Menschen, der von ihm nichts wissen will.

 

Von dieser Sehnsucht erzählt Jesus in einem Gleichnis, in dem es um Tiere geht. Es ist die Geschichte vom verlorenen Schaf (Lukas 15, 1 ff). Gott sucht den Menschen, der ihm verloren gegangen ist wie ein Hirte sein Schaf sucht. Gott sucht den Menschen, der ihm davon gelaufen ist. Wenn er diesen einen gefunden hat, ist im Himmel eine riesige Freude! Die Engel feiern mit Gott! Jesus sagt: „Ich sage euch: Genauso ist bei Gott im Himmel mehr Freude über einen Sünder, der ein neues Leben anfängt, als über neunundneunzig andere, die das nicht nötig haben.«

 

Ich würde mich riesig freuen, wenn Sie zu diesen „99 Gerechten“ gehören, über die im Himmel schon gefeiert wurde! Und es wäre wunderbar, wenn Sie zu diesen „99 Gerechten“ gehören, die danach hungern und dürsten, Gott möge doch diesen EINEN Menschen finden, von dem Jesus erzählt! Diesen einen, der noch ohne den guten Hirten Jesus Christus in der Lebenswüste umherirrt. Diesen einen, der vielleicht mehr Mitleid mit seinem Hund oder seiner Katze hat als mit seinem kranken Nachbarn. Diesen einen, der mit zweierlei Maß misst - der mit sich großzügig umgeht und mit anderen gnadenlos. Diesen einen, der immer nur auf sein Recht pocht und das Recht anderer ständig missachtet. Genau diesen Menschen sucht Gott leidenschaftlich. Weil er diesen Menschen genauso liebt wie die 99 Gerechten. Gottes Liebe kennt nicht zweierlei Maß. Er liebt denjenigen, der ohne ihn leben will genauso wie alle anderen, die schon zu Jesus Christus gehören.

 

Glückselig sind, die sich nach Gottes Gerechtigkeit sehnen, sagt Jesus. Glücklich, die sich nach Jesus Christus sehnen. Glückselig sind, die ein Herz haben für diejenigen, die Gott sehnsüchtig liebt und sucht. Glückselig, die für sie beten, die ihnen Gottes Liebe zeigen.

 

Zu den 99 Gerechten zu gehören, das hat niemand verdient. Es ist Gottes Gnade! Das Richterschwert traf seinen Sohn Jesus am Kreuz von Golgatha. „Gott allein hat es ermöglicht, dass ihr in Christus Jesus sein dürft. Den hat er zu unserer Weisheit gemacht. Durch ihn sind wir vor Gott gerecht gesprochen und unser Leben wird durch ihn geheiligt. Durch ihn sind wir erlöst.“ (1. Kor. 1, 30)

 

Danken Sie immer wieder Gott, dass er Sie gerecht gemacht hat durch Jesus Christus. Und lieben Sie den einen, den Gott sucht, wie er Sie gesucht hat. Bitte beten Sie für den einen, der Gottes Liebe noch nicht erfahren hat.

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