Loslassen

 

Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten.

 

Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.

 

Matthäus-Evangelium 2, 1 – 2 + 9 - 11

Liebe Leser,
 

Menschen aus dem fernen Osten kommen nach Bethlehem, um den Messias anzubeten.

Sie fallen vor dem Kind nieder und beten es an. Sie öffnen ihre Schatztruhen und schenken Jesus Gold, Weihrauch und Myrrhe. Zeichen der Anerkennung für den neuen König und Priester. Heidnische Sterndeuter, Magier, bringen dem neuen König von Israel ihre Kostbarkeiten.

 

Was bedeutet es mir, wenn ich sage: Jesus ist König? Bin ich nur mit dem Mund dabei. Singe ich Jesus meine Lieder, aber lasse meine Schatztruhen zu? Bringe ich ihm mein Gold, also alles, was in meinem Leben so glänzt, strahlt und wertvoll ist? Bringe ich, was mein Leben so erfolgreich macht? Was mich so zum Strahlen bringt? Oder lasse ich Jesus gerade mal einen Blick darauf werfen – und dann mache ich den Deckel wieder zu?

 

Was bedeutet der Weihrauch? Bringe ich ihm meinen Weihrauch? Weihrauch symbolisiert mir meine Frömmigkeit. Bringe ich Jesus auch meine Frömmigkeit, meine heiß und innig geliebten Überzeugungen? Ein Sprichwort sagt: Zuviel Weihrauch verrußt den Heiligen. Bin ich ein Wohlgeruch Christi (2.Kor. 2:15) oder verbreite ich mit meiner Art der Frömmigkeit ein Weihrauch-Ambiente, das andere nur zum Husten bringt? Zum Ringen nach frischer Luft?

 

Und wie ist das mit der Myrrhe, diesem bitteren Geschmack. Bei seiner Kreuzigung gab man Jesus Wein, mit Myrrhe vermischt. Aber Jesus trank es nicht. Es war ungenießbar (Markus 15:23). Bringe ich Jesus auch die Bitterkeiten meines Lebens? Die seelischen Verletzungen, die Demütigung durch andere, die Wut auf Gott? Bringe ich ihm alles, was mich verbittert oder im Leben verbittert hat? Was mich bitter macht? Was mich möglicherweise sogar ungenießbar macht? Ein verbitterter Mensch ist ein ungenießbarer Mensch.

 

„Suche Frieden und jage ihm nach“, ist die Jahreslosung. Das wären doch drei konkrete Schritte: meine bittere Myrrhe bei Jesus lassen, mit meinem Weihrauch (meiner Art der Frömmigkeit) sparsam umgehen, und sich lösen vom Gold, vom materiellen Reichtum. Jesus sagte: „Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt“ (Mt. 19:24)

 

Als die Weisen ihre Kamele wieder gesattelt haben, da hatten sie außer ihrem Handgepäck nichts mehr dabei. Die Schätze, die Kostbarkeiten, auch den Ballast ließen sie zurück, bei König Jesus. Sie reisten nach Hause mit leichtem Gepäck. Ein Bild für das Leben als Christ.

 

Martin Luther hatte das begriffen. Der Reformator hatte ein geistlich reiches Leben. Was hat er alles geschafft: die Bibel übersetzt, Lieder und Gebete gedichtet. Der Mann hat die Welt verändert. Und was sagt er am Ende seines Lebens? Auf einen Zettel schrieb er diese letzten Zeilen: „Wir sind Bettler, das ist wahr.“

 

Martin Luther begreift, dass er vor Gott ein Bettler ist. Die Begegnung mit Jesus Christus macht uns zu Bettlern. In dem Lied „Stern auf den ich schaue“ heißt es am Schluss: „Nichts hab ich zu bringen, alles Herr, bist du.“

 

Ich möchte in diesem Bewusstsein leben und glauben: Nichts hab ich zu bringen. Alles Herr Jesus bist du. Ich will mir dieses Jahr wieder ganz bewusst machen, dass ich vor Gott arm wie ein Bettler bin. Und doch unbegreiflich reich durch das, was er mir schenkt. Was mich reich macht, ist allein seine Gnade. Ist seine unendliche Liebe. Ist seine Gegenwart. Nichts auf dieser Welt kann mich von seiner Liebe trennen (Römer 8, 31 ff).

 

So reisen die Weisen aus dem Morgenland wieder zurück in ihre Heimat, in ihren Alltag. In ihr normales Leben, das jetzt doch ganz anders geworden ist. Sie gehen im Frieden Gottes weiter ihren Lebensweg.

 

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