Muss Gott fliehen?
 

Als sie – die Weisen aus dem Morgenland -  aber hinweg gezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir's sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen.

 

Als Herodes nun sah, dass er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Knaben in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter waren …

 

Mt. 2, 13 + 16

 

 

Liebe Leser,

 

die Tagespolitik greift nach dem neugeborenen König der Juden. Herodes der Große regiert. Ein Machtmensch. Er fühlt sich betrogen von den Besuchern aus dem Morgenland. Er wollte sie zu seinen inoffiziellen Mitarbeitern machen. Sie sollten für ihn spionieren. Aber Gott macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Die Weisen gehen einen anderen Weg zurück.

 

Aber die Finsternis gibt so schnell nicht auf. Sie versucht Jesus, das Licht des Lebens, auszulöschen. Der Evangelist Johannes schreibt es so: „Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat´s nicht ergriffen.“ (Joh. 1:5). Gottes Licht, das Licht des Lebens, scheint in Bethlehem. Die Finsternis will dieses Licht auslöschen. Das Böse greift zu.

 

Das Böse offenbart sich in der Gestalt dieses Herodes. Herodes der Große duldet keinen neben sich. Herodes gehört zu denen, über die Jesus später zu seinen Jüngern sagen wird: „Ihr wisst, dass in dieser Welt die Könige Tyrannen sind und die Herrschenden den Menschen oft Gewalt antun.“ (Mt. 20:25).

 

Historiker sagen: Herodes schafft es, eine glänzende Fassade aufzubauen. Er kurbelt die Wirtschaft an. Es geht den Menschen wieder gut. Die Militärausgaben steigen, das sichert ihm und dem Land Frieden. Er benutzt die Priester zu seinen politischen Zwecken.

 

Herodes hat einen lockeren Lebensstil. Die frommen Juden hassen ihn. Herodes ist skrupellos. Wer ihm im Weg steht, den stellt er kalt. Er hat nicht einmal Skrupel, seine Söhne umbringen zu lassen. Kaiser Augustus hat über ihn gesagt, er wäre lieber das Schwein von Herodes als sein Sohn.

 

Gott weiß, dass Herodes seinem Hass und seiner Gewaltbereitschaft freien Lauf lassen wird. Die Finsternis will das Licht des Lebens auslöschen. Brutal, unmenschlich tötet sie auch unschuldige Kinder.

 

Wenn wir Deutschen auf unsere Geschichte zurückblicken, sehen wir größere Finsternis. Entsetzliches, Unmenschliches geschah in Auschwitz, Majdanek, Treblinka. Die Nazis ermordeten fünf bis sechs Millionen Juden (Quelle: Fragen an die deutsche Geschichte 1990, Herausgegeben vom Deutschen Bundestag).

 

Die Frage bewegt mich: warum hat Gott das zugelassen? In unserem Land, aber auch damals in Bethlehem? Hätte Gott nicht eingreifen können? Eingreifen müssen? Warum lässt Gott das Böse zu?

 

Der biblische Text gibt keine Antwort darauf. Aber er zeigt mir, dass Gott seinen Heilsplan mit allen Menschen (auch mit Ihnen und mir) zum Ziel bringen will. Und keine Finsternis kann das Licht des Lebens, kann Jesus Christus überwältigen. Auch der Tod konnte Jesus Christus nicht besiegen. „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel? – Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus!“, ermutigt uns der Apostel Paulus (1.Kor. 15:55) im Blick auf Ostern.

 

Gottes Heilsplan geht weiter. Zwar anders, als ich es mir vorgestellt hätte. Anders, als ich es mir gewünscht hätte. Gott weicht aus nach Ägypten. Aber er flieht nicht vor der Finsternis. Er hat seinen Plan mit seinem Sohn Jesus. Jesus Christus wird seinen Auftrag am Kreuz von Golgatha vollenden: „Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre“ (1. Joh. 3, 18).

 

Für seinen Heilsplan braucht Gott einen so einfachen Menschen wie diesen Josef. Einen, der ein Ohr hat für das, was Gott ihm sagt. Einen, der genau das tut, was Gott ihm sagt. Josef ist der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Solche Leute braucht Gott. Auch heute.

 

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche und die Kraft, sich für das Leben einzusetzen, besonders für Kinder. Und lassen Sie uns jeglichem Antisemitismus die Stirn bieten. Bitte!

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