Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, da kamen Sterndeuter (oder Weise) aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten.  Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte.
 

Matthäus-Evangelium, Kapitel 2, Verse 1 – 4

Liebe Leser,

 

der Text fängt politisch an. Der Tyrann Herodes regiert. Zu ihm kommen Sterndeuter aus dem Orient. Das waren damals Gelehrte, auch Priester. Sie kannten die Bedeutung der Sterne. Sie konnten auch Träume deuten.

 

Diese Sterndeuter kommen und wollen den neugeborenen König der Juden anbeten. „Wir haben seinen Stern gesehen“, sagen sie. Das macht Herodes unruhig. Wenn fremde Sterndeuter aus fremden Ländern kommen und vom neugeborenen König sprechen, dann heißt das, es brechen neue  Zeiten an. Das bedeutet: die Machtverhältnisse werden sich verschieben. Und Herodes wird wahrscheinlich der Verlierer sein. Es geht um Macht und Machterhalt.

 

Sterne waren und sind zu allen Zeiten Zeichen der Macht. Sie zeigen, wer das Sagen hat. Sie machen einen Herrschafts-Anspruch geltend.

 

Als am 21. Juli 1969 der Amerikaner Neil Armstrong den Mond betrat, da steckte er die amerikanische Flagge, das Sternenbanner in den Boden. Das Sternenbanner mit den 50 weißen Sternen, für jeden US-Bundesstaat einen Stern. Und die Welt wusste: die Amerikaner bestimmen den Weltraum.

 

Seit dem 3.Januar 2019 haben die Amerikaner Konkurrenz auf dem Mond.  Auf der Rückseite des Mondes ist die rote chinesische Flagge mit ihrem großen und den vier kleinen Sternen gelandet. Technische Großmacht China!

 

Auch andere Staaten zeigen mit Sternen ihre Macht. Auf dem Kreml in Moskau leuchtet sichtbar der rote Stern des Kommunismus, Symbol für den weltweiten Kommunismus.

 

Und auch wir Europäer haben unsere Sterne. Die EU-Flagge zeigt den Sternenkranz der Europäischen Union. In meinem Geldbeutel regiert die Geldpolitik der EU mit jeder Euro-Münze, mit jedem Euro-Schein. Überall sind die EU-Sterne zu sehen.

 

Der Staat Israel hat den Davidstern auf seiner Flagge. - Wer im Dritten Reich einen Davidstern tragen musste, der war der entsetzlichen Tyrannei der Nazis ausgeliefert. Sterne symbolisieren Macht, auch Machtmissbrauch.

 

Wenn über dem Stall von Bethlehem der Stern des Messias leuchtet, dann geht das weit über die damalige Politik hinaus. Denn es heißt es konkret: Gottes neue Welt bricht jetzt an. Gott macht seine Herrschaft über alle Welt deutlich. Über dem Stall von Bethlehem strahlt der Stern der Gottesherrschaft. Es leuchtet das Licht Gottes.

 

Der Evangelist Johannes sagt es so: Jesus, das Wort Gottes, ist das Licht für alle Menschen (Joh. 1). Jesus, das wahre Licht, kam in die Welt, um allen Menschen sein Licht zu bringen. Er kam in seine Welt, aber die Menschen nahmen ihn nicht auf. Er leuchtete in der Finsternis, doch die Finsternis wehrte sich gegen das Licht. Herodes ist ein Beispiel dafür. Viele Machthaber nach ihm wehrten sich wie er.

 

Der Stern über Bethlehem ist eben mehr als ein himmlisches Navigationssystem für ein paar Sterndeuter. Der Stern zeigt, dass Gott das Sagen hat. So, wie es David in Psalm 8 schon schreibt: „Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel.“

 

Gottes Hoheit ist sichtbar angebrochen in Bethlehem. Kein Wunder, dass sich die Finsternis wehrt. Damals regierte über das Volk Gottes kein David mehr, kein Mann nach dem Willen Gottes, sondern ein grausamer Tyrann. Doch nun tritt der Davidsohn Jesus auf die Bühne. Sein Reich ist sichtbar angebrochen. Das macht Weihnachten zu frohen Weihnachten. Das macht uns Christen froh auch nach Weihnachten.

 

Liebe Leser, egal unter welchen politischen Systemen wir leben dürfen oder leben müssen: wir Christen haben einen König, der ewig regiert, der das Sagen über uns und alle Welt hat. Matthäus schließt sein Evangelium mit diesem gewaltigen Wort des auferstandenen Jesus Christus: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden!“ (Mt. 28:18).

 

Jesus hat keine Schulterklappen mit vielen Sternen, er kam als Knecht in diese Welt. Er will uns auch heute dienen mit seiner Liebe. Wo wir ihm, dem Licht des Lebens, das Herz öffnen, durchflutet seine Liebe unser Herz und unsere Welt.

 

Ob die Sterndeuter Frieden nach Bethlehem brachten? Mehr darüber am kommenden Sonntag.

 

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