Undercover Boss

Zu dieser Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden und du kommst zu mir? Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen. Da gab Johannes nach.

Matth. 3:13 – 15

Liebe Leser,

Kennen Sie die TV Doku-Soap Undercover Boss? Da arbeiten Chefs in ihrer eigenen Firma, getarnt als Hilfsarbeiter, also als ungelernte Mitarbeiter. Auf diese Weise lernen sie ihre Firma am besten kennen. Sie verlassen die Chef-Etage und arbeiten dort mit, wo der Chef normalerweise nie hinkommt. So erlebt er oder sie hautnah die Arbeit der Mitarbeiter. Den beruflichen Alltag mit seinen Problemen. (Also mir wäre das total unangenehm gewesen, wenn mir mein Chef auf die Finger geschaut hätte!)

Was Jesus am Jordan macht, ist keine himmlische Doku-Soap. Der Messias steigt hinab in den Jordan und lässt sich dort taufen wie alle anderen Menschen. Er lässt sich taufen wie ein Sünder. Er steigt in das gleiche Wasser wie alle anderen, die vor ihm getauft wurden. Er wird einer von ihnen. Der Sohn Gottes verlässt die Chef-Etage und begibt sich auf Sünder-Niveau.

Der Apostel Paulus beschreibt das in seinem Brief an die Philipper so (Phil. 2, 6 – 8): Jesus war in allem Gott gleich, und doch hielt er nicht gierig daran fest, so wie Gott zu sein. Er gab alle seine Vorrechte auf und wurde einem Sklaven gleich. Er wurde ein Mensch in dieser Welt und teilte das Leben der Menschen. Im Gehorsam gegen Gott erniedrigte er sich so tief, dass er sogar den Tod auf sich nahm, ja, den Verbrechertod am Kreuz.

Nein, Jesus ist kein Undercover-Boss, der nur mal für ein paar Tage sehen will, was seine Leute „da unten“ machen. Jesus teilt das Leben der Menschen und bleibt dabei doch heilig. Jesus zieht sich - bildhaft - unsere Schuhe an und bleibt dennoch der Heilige Gottes, der Christus.

Ich las dieses Gebet eines Sioux-Indianers: „O großer Geist, lass mich niemals einen Menschen beurteilen noch kritisieren, bevor ich nicht zwei Wochen lang in seinen Mokassins herumgewandert bin.“ – Respekt für diese Haltung! Das Leben auch einmal aus der Perspektive meines Mitmenschen sehen wollen. Oder aus der Sicht meines Konkurrenten. Oder sogar meines Feindes.

Jesus wechselt die Seiten. Er lässt sich nicht nur vom Jordanwasser berühren. Ihn berührt das Leben der Menschen um ihn herum. Ihn berührt mein Leben. Ihn berührt IHR Leben! Er geht mit uns und zieht sich – bildhaft- unsere Schuhe an.

Seine Füße bringen ihn zum Beispiel zu einer Frau, die immer wieder Beziehungsprobleme hat. Eine Frau, die zur Außenseiterin wurde. Die niemand mehr mochte. Er verurteilt sie nicht, sondern öffnet ihr eine neue Lebensperspektive (Joh. 4).

Oder er geht zu einem stadtbekannten Steuereintreiber, einem total korrupten Typ. Mit diesem Betrüger will Jesus sogar essen. Er verurteilt diesen Mann nicht, sondern will ihm helfen zu einem Leben mit Gott. Die Begegnung mit dem Messias verändert diesen Mann radikal (Lukas-Evangelium 19).

Nein, Jesus ist kein Undercover Boss. Er zeigt jedem, dass ER der Messias ist. Dass er das Leben in Person ist (Johannes 11:25). Jesus bringt das Leben, wie es Gott gefällt.

Und daher nimmt er das Kreuz auf sich. Das Kreuz, ein Sünder zu sein. Er sühnt am Kreuz von Golgatha alle Schuld. Die Schuld der Frau am Jakobsbrunnen. Die Schuld des Steuerbetrügers Z. Er nimmt die Altlasten ab, damit der Start mit Gott möglich ist.

Johannes der Täufer konnte diesen Rollentausch zunächst nicht verstehen. Aber dann sagte Jesus: „Lass es jetzt geschehen“ (Matthäus 3:15). Das ist die Bitte an Sie und mich: Zulassen, was Jesus Christus für uns tat. Ich will zulassen, dass ich ein Mensch bin, der Gottes Gnade braucht. Ich will zulassen, dass Jesus Christus mir ein ganz neues Leben in seiner Gemeinschaft schenken will. Ich will auch zulassen, dass mir Jesus auf die Finger schaut.

„Lass es nur zu!“ sagt Jesus. Zulassen, dass Jesus das alte Leben hinterfragt - wie bei der Frau am Jakobsbrunnen. Zulassen, dass Jesus die Gemeinschaft mit uns sucht. Zulassen, dass sich das Leben ändern wird - wie bei Zachäus. Einfach nur zulassen. Alles Weitere macht dann Jesus. Er will, dass wir eines Tages bei IHM in der himmlischen Chef-Etage leben.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche!

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