Mt. 5, 11 – 12
 

„Freuen dürft ihr euch, wenn sie euch beschimpfen und verfolgen und verleumden, weil ihr zu mir gehört. Freut euch und jubelt, denn bei Gott erwartet euch reicher Lohn. So haben sie die Propheten vor euch auch schon behandelt.“

 

Liebe Leser,

 

Walter Lübke war ein deutscher Kommunalpolitiker, der im Juni heimtückisch ermordet wurde. Er setzte sich für Flüchtlinge ein und wurde wegen seines Engagements beleidigt und bedroht. Ein  45jähriger Neonazi hatte ihn deshalb ermordet. Deutschland war entsetzt.

 

Doch in den sozialen Netzwerken wurde der Tod dieses Politikers leider auch zynisch und beleidigend kommentiert. Unser Bundespräsident Steinmeier hat diese Reaktionen sehr kritisiert. Er sagte, solche Reaktionen sind „geschmacklos, abscheulich, in jeder Hinsicht widerwärtig“. Wie wahr!

 

Unser Grundgesetz beginnt mit den Worten: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ (Artikel 1, 1). Der Alltag sieht leider oft ganz anders aus. Wann immer Menschen in unserem Land gehasst und beleidigt werden, wird die Würde dieser Menschen mit Füßen getreten.

 

In seinem „Grundgesetz“ auf dem Berg prophezeit Jesus seinen Leuten, dass auch ihre Würde angetastet werden wird. Wer an Jesus Christus glaubt, wer nach den Geboten der Gottesliebe und der Nächstenliebe leben will, der muss paradoxerweise auch mit Beleidigung, Hass und Verfolgung rechnen. Dem wird nicht nur Respekt und Wertschätzung entgegen gebracht.

 

Jesus sagt seinen Leuten: Rechnet nicht damit, dass ihr nur auf der Sonnenseite des Glaubens steht. Es kann sein, dass euer Glaube an mich sogar viele Nachteile für euch bringt. Ihr könnt zu den gesellschaftlichen Verlierern gehören. Ihr könnt zu Außenseitern abgestempelt werden. Sogar zu Staatsfeinden. Ihr werdet beleidigt. Ihr werdet vielleicht sogar um euer Leben bangen müssen.

Für viele Christen wurde das im römischen Reich zur bitteren Wirklichkeit. Der Hebräerbrief berichtet davon im Kapitel 11, 35 – 38.

 

Doch auch zweitausend Jahre nach Jesu mahnenden Worten ist Beleidigung und Verfolgung für viele Christen Wirklichkeit geworden. In Deutschland sind diese Erfahrungen noch gar nicht so weit weg. Stellvertretend für viele Verfolgte im Nazi-Deutschland erinnere ich an den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer und den katholischen Jesuitenpriester Alfred Delp.  A.Delp schrieb am Tag seiner Hinrichtung (2. Februar 1945) aus dem Gefängnis:

 

„Wie lange ich nun hier warte, ob und wann ich getötet werde, weiß ich nicht. Der Weg hierher bis zum Galgen nach Plötzensee ist nur zehn Minuten Fahrt. Man erfährt es erst kurz vorher, dass man heute und zwar gleich "dran" ist. Nicht traurig sein. Gott hilft mir so wunderbar und spürbar bis jetzt. Ich bin noch gar nicht erschrocken. Das kommt wohl noch. Vielleicht will Gott diesen Wartestand als äußerste Erprobung des Vertrauens. Mir soll es recht sein. Ich will mir Mühe geben, als fruchtbarer Samen in die Scholle zu fallen, für Euch alle und für dieses Land und Volk, dem ich dienen und helfen wollte.“ (Quelle Wikipedia)

In diesen Zeilen entdecke ich diesen Trost, von dem Jesus sprach: „Glückselig sind die Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden“ (Mt. 5,4). Ich entdecke, was der Apostel Paulus sagte: „Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.“ (Phil. 1,21). Paulus erfreute sich am Leben mit Jesus Christus. Er lebte gerne. Aber er wusste: jenseits des Todes erwartet ihn die unmittelbare und herrliche Gegenwart Jesu Christi. 

 

Wir Christen in Europa und in anderen demokratischen und rechtsstaatlichen Ländern dürfen uns dankbar freuen über die Freiheit, dass wir unseren christlichen Glauben ausüben können. Ich bin dankbar, seit 70 Jahren in einer Zeit des Friedens zu leben. Ich bin dankbar, nicht staatlicher Gewalt ausgesetzt zu sein, weil ich an Jesus Christus glaube.

 

Diese letzte Seligpreisung Jesu erinnert mich aber auch daran, diese Frauen, Männer und Kinder nicht zu vergessen, die heute unter Verfolgungen leiden müssen. Christen, die beleidigt und gehasst werden, die in Gefängnissen sitzen. Die leiden müssen, weil sie Jesus Christus lieben. Diese Schwestern und Brüder Jesu brauchen unser Gebet. Immer. Wir dürfen sie nicht vergessen!

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