Jesus Christus sagt: Wenn einer dich vor Gericht bringen will, um dein Hemd zu bekommen, so lass ihm auch noch den Mantel! Mt. 5, 40 (HfA)

 

Liebe Leser,

 

als junger Mann kaufte ich mir das Auto meiner Träume: einen VOLVO 264. Gebraucht. Viele Kilometer drauf. Aber 6 Zylinder mit 2,7 L Hubraum! Ich gebe zu: ich war ein verrückter Hund! Meine Bank erfüllte mir damals meinen Traum. Sie gewährte mir einen Kredit. Aber ich musste den KFZ-Brief hinterlegen, als Sicherheit. Als Pfand.

 

Die Menschen, die Jesus bei der Bergpredigt zuhörten, konnten bei Geldnot zu keiner Bank gehen. Wenn sie einen neuen oder gebrauchten Esel kaufen wollten, musste ihnen jemand Geld leihen. Nach dem Motto „Vertrauen ist gut, ein Pfand ist besser“ durfte der Gläubiger ein Pfand fordern. Zum Beispiel einen Mantel. Mose hatte das Verfahren so festgelegt: „Wenn ihr einem anderen etwas leiht, dann sollt ihr nicht in sein Haus gehen, um ein Pfand dafür zu holen. Bleibt draußen stehen. Derjenige, der etwas von euch leiht, soll das Pfand zu euch herausbringen. Wenn er jedoch arm ist und nur einen einzigen Mantel besitzt, den er euch als Sicherheit geben könnte, dann behaltet den Mantel nicht über Nacht. Bei Sonnen-untergang sollt ihr ihn seinem Besitzer zurückgeben, damit er darin schlafen und euch segnen kann. Das wird vor dem Herrn, eurem Gott, als gerechte Tat gelten.“ (5.Mose 24, 10 – 13)

 

Ein Mantel konnte lebenswichtig sein! Paulus erinnerte Timotheus daran, ihm noch vor Wintereinbruch seinen Mantel zu bringen! (2. Tim. 4, 13 + 21). Paulus wollte nachts nicht frieren! So ein Mantel war wie ein Schlafsack.

 

Nun haben sich die Zeiten geändert. Auch bei mir. Ich bin etwas vernünftiger geworden und fahre heute einen VW Golf mit drei Zylindern und 1000 ccm. Ich habe nicht nur einen Mantel, sondern auch noch Winterjacken. Niemand will sie als Pfand haben. Was also tun mit dem, was Jesus sagt?

 

Ich denke, sein Wort zielt darauf ab, nicht engherzig miteinander umzugehen. Großzügig sein, wenn mich jemand um etwas bittet. Darauf vertrauen, dass ich es wieder zurück bekomme. Und wenn nicht, dann auch verzichten können und nicht dem anderen mit dem Rechtsanwalt drohen. Oder gar vor Gericht ziehen. Gegen Gerichts-Prozesse unter Christen hat sich Paulus gewehrt. Es ist nicht gut, den anderen vor Gericht zu zerren. Die Gemeinde in Korinth ermahnt er (1.Kor. 6, 1 f): „Wenn jemand von euch mit einem Mitchristen Streit hat, wie kann er da vor ungläubige Richter gehen, anstatt die Gemeinde entscheiden zu lassen?“

 

Okay, über meine privaten Angelegenheiten will ich nicht meine Gemeinde entscheiden lassen. Aber den Rat eines erfahrenen Seelsorgers will ich auch nicht verachten. Nächstenliebe und Barmherzigkeit bleiben auf der Strecke, wenn ich „mein Recht“ nur noch mit Hilfe von Anwälten und Gerichten durchsetzen will. Dann wird aus einer Schwester oder einem Bruder ein Prozessgegner. Dann wird aus meiner Schwester oder meinem Bruder, aus meiner Mutter oder meinem Vater, aus meiner Tochter oder meinem Sohn ein Gegner.

 

Manchmal höre ich von solchen Streitigkeiten innerhalb der Familie. Besonders dann, wenn es um Erbschaften geht. An Erbstreitigkeiten können Familien zerbrechen. Da reden Geschwister nicht mehr miteinander, die vorher ein Herz und eine Seele waren. Da wurden aus Familienangehörigen sogar Feinde!

 

Große Banken müssen einen sogenannten Stress-Test machen (ein Stresstest ist in der Finanzwirtschaft ein Instrument des Risikomanagements). Ich denke, dieses Jesus-Wort vom Mantel ist so eine Art Stress-Test meines Glaubens. Hier zeigt sich, wie großzügig ich sein kann oder wie engherzig ich in Wahrheit bin. „Schlimm genug, dass ihr euch überhaupt auf einen Rechtsstreit einlasst!“ schreibt Paulus (1.Kor. 6, 7). „Weshalb ertragt ihr es nicht lieber, wenn man euch Unrecht tut, und warum nehmt ihr nicht eher Nachteile in Kauf, anstatt auf euer Recht zu pochen?“

 

Ich hoffe, dass Sie von einem solchen Stress-Test verschont bleiben. Ich wünsche Ihnen, dass Sie nicht streiten müssen um irgendwelche Tassen und Teller, um Pelz-Mäntel oder alte Autos. Jesus Christus ließ sich alles nehmen. Auch das letzte Hemd. Nackt hing er am Kreuz von Golgatha. Er hat auf alles verzichtet aus Liebe zu Ihnen und mir. Er ist für meine Schuld gestorben. Seine Liebe hat mich unendlich reich gemacht!

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© 2020 Hans-Peter Nann, Frankfurt am Main