Abram sprach zu Lot: Es soll kein Zank sein zwischen mir und dir und zwischen meinen und deinen Hirten; denn wir sind Brüder. 1. Mose 13,8

 

Liebe Leser,

 

„Bloß keinen Streit vermeiden“ las ich auf dem Schild, das zur Begrüßung im Flur hing. Dabei wirkte der Mann eigentlich ganz freundlich. Wahrscheinlich war dieses Lebensmotto auch nicht ganz ernst gemeint. 

Abram und sein Neffe Lot hätten Grund zum Streiten gehabt.  Sie teilten sich das Weideland ihrer Viehherden. Aber irgendwann war das gemeinsame Land zu klein für die vielen Schafe und Ziegen. Die  Viehherden wuchsen. Abrams und Lots Hirten kämpften um das beste Weideland.

 

Stellen Sie sich doch einmal vor, Abram hätte am Eingang seines Zeltes ein Schild aufgehängt: „Ich streite gerne mit jedem!“ Ich gieße gerne Öl ins Feuer! Ich bin ein leidenschaftlicher Streithammel, der nachts im Bett wach liegt und überlegt, wie er als Sieger vom Platz gehen kann.

 

Dann hätte er vermutlich gesagt: Das ist mein Land. Mir gehören die besseren Weiden, und dafür kämpfe ich. Ich gebe keinen Zentimeter davon her. Männer, verteidigt mein Land! Notfalls mit Gewalt. Ihr bekommt noch zusätzliche Waffen, um meinen Besitz zu verteidigen.

 

Und außerdem bin ich ja der Ältere. In unserer Familie bestimmt der Ältere, was gemacht wird. Das war schon immer so! Also ich und sonst niemand bestimme, wer hier bleibt und wer hier geht. Und du, mein lieber Lot, musst gehen! Mein lieber Neffe Lot, packe deine Sachen und verschwinde mitsamt deinen Hirten und Viehherden. Für dich ist hier leider kein Platz mehr.

Aber Abram hat keine schlaflosen Nächte. Er ist kein Mann, der mit seinem Bruder den Streit sucht. Er ist ein Mann des Friedens und behandelt seinen Neffen wie seinen Bruder. Er wird aktiv und macht Lot einen guten Vorschlag: Wir suchen uns gemeinsam neues Weideland. Du hast das Vorrecht zu entscheiden, ob du nach links oder rechts willst. Du darfst entscheiden. Du hast die erste Wahl. Ich ordne mich deiner Entscheidung unter.

 

Bei Abram leuchtet schon das Evangelium auf. Der Apostel Paulus hat es viel später den Christen in Rom so gesagt (Römerbrief 12, 10): „Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem anderen mit Ehrerbietung zuvor.“ Abram tut das. Er begegnet seinem Neffen mit großer Wertschätzung!

 

Gott hat diese Entscheidung Abrams gesegnet. Sie können es nachlesen bei 1.Mose 13, 14 – 18.

Jesus Christus segnet die Friedensstifter. Er sagt in der Bergpredigt (Mt. 5): „Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen. Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“  Wie wäre es, diese Worte „Bloß keinen Streit vermeiden“ im Müll zu entsorgen und jede Chance nutzen, ein Friedensstifter zu werde? Der erste Schritt dazu ist, dem anderen mit Wertschätzung und Respekt zu begegnen. Der zweite Schritt, auf Vorrechte zu verzichten und dem anderen einen Weg aus der Krise zu zeigen. Gemeinsam Schritte gehen in die Zukunft.

 

Ich wünsche Ihnen, dass Sie bei schwierigen Entscheidungen den inneren Frieden finden und in Konfliktsituationen Brücken bauen zum Anderen. Gott segne Ihre Gedanken und Taten des Friedens.

Jesus Christus bewahre Sie an Geist, Seele und Leib.  

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