Freuet euch in dem Herrn allezeit, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!
Phil. 4, 4 + 5b

 

Liebe Leser,

 

ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest! Ich wünsche Ihnen, dass die Weihnachtsfreude zu Ihnen kommt. Unabhängig davon, wie Sie dieses Weihnachtsfest erleben. Vielleicht können Sie diese Tage ganz unbeschwert genießen, das wäre schön! Vielleicht geht es Ihnen aber so wie jener jungen Frau, von der Susanne Hornfischer¹  in einer Weihnachtsgeschichte erzählt. Ich möchte diese kleine Geschichte kurz mit meinen Worten nacherzählen:

 

Stellen Sie sich eine Kleinstadt vor mit Geschäften, einer Bushaltestelle, einer alten Kirche. Eine junge Frau kommt vom Weihnachtsmarkt. Sie hat den Bus nach Hause verpasst. Der nächste Bus fährt erst in einer halben Stunde. Solange will sie nicht in der Kälte warten. Sie entschließt sich, in die nahe Kirche zu gehen. Sie kennt diese Kirche. Doch in den letzten Jahren war sie nicht mehr hier. Sie hat schon lange keinen Gottesdienst mehr besucht. Sie war enttäuscht von Gott, hatte ihm den Rücken zugedreht.

Als sie in dieser Kirche geheiratet hat, war ihre Welt noch in Ordnung. Ihre Kinder wurden hier getauft. Sie selbst hatte in dieser Gemeinde mit Gott gelebt, an Jesus geglaubt. Ihr Leben war gesegnet. Bis zu jenem Tag, an dem sich  ihr Mann von ihr trennte. Er liebte eine andere Frau und war gegangen. Ihre Welt und ihr Glaube waren zusammengebrochen.

 

Nun saß die junge Frau nach langer Zeit wieder in dieser Kirche. Auf dem Altar brannten Kerzen. Es duftete nach Weihnachten. Alles war still und sie dachte an das Weihnachtsfest. Ihre Kinder waren erwachsen geworden und würden dieses Jahr nicht mir ihr feiern. Es würden einsame und traurige Weihnachtstage werden.

 

Plötzlich Lärm in der Kirche! Eine Horde Kinder kommt aus einem Seiteneingang und läuft in Richtung Altar. Alle sind verkleidet als Hirten und wollen das Hirtenspiel für den Heiligabend üben. Die Leiterin sorgt für etwas Ruhe bei den wilden Hirten. Unsere junge Frau darf sitzen bleiben und schaut zu.

Alles läuft ganz gut bei den Hirten auf dem Feld bei Bethlehem. Bis zu dieser Szene: ein Junge, als Engel verkleidet, geht auf die Hirten zu und ruft, dass sie keine Angst haben sollen. Warum?
„Ich bringe euch ...!" Dann gerät der Engel plötzlich ins Stocken. Er hat den Text vergessen. „Ich bringe euch ...!" sagt er wieder, aber der Text ist weg. Der Junge ist ganz verzweifelt, die an­deren Kinder meckern. Schon wieder diese Panne mit diesem Engel!

Die Leiterin hilft. Frustriert ruft sie laut: „FREUDE! Ich bringe euch große FREUDE!“ Sie ermutigt den Jungen, die Szene noch einmal zu spielen. „Denk an die Freude! Konzentrier dich auf die Freude!"

Der Rest des Krippenspiels ist für die junge Frau plötzlich nicht mehr wichtig. Auch nicht der Bus, der draußen ohne sie abfährt. Das Wort von der vergessenen Freude hat sie mitten ins Herz getroffen. Es war, als hätte Gott selbst mit ihr geredet. Sie hatte die Freude vergessen, die Gott schenkt. Sie hatte sich auf ihr Leid und ihre schwere Lebenssituation konzentriert und nicht auf die Freude, zu der uns nicht nur der Engel auf dem Feld bei Bethlehem, sondern auch der Apostel Paulus einladen. „Freuet euch in dem Herrn allezeit, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!“

 

An Weihnachten kommt Jesus Christus ganz nah. Gott wird Mensch. Das feiern wir. Das ist Grund zur Freude. Darauf sollen wir uns konzentrieren und nicht auf die vielen negativen Dinge, die unsere Gedanken und unsere Gefühle bestimmen wollen.

 

Wenn es nur um unsere Stimmung ginge, hätten wir viel Grund, traurig zu sein. Menschliche Tragödien, schwere Schicksalsschläge, Krankheit und Tod richten sich nicht nach unserem Terminkalender. Sie machen vor Weihnachten nicht Halt. Der Philosoph Martin Heidegger schrieb im vergangenen Jahrhundert: „Das Lebensgefühl der kommenden Zeit wird das einer ungeheuren Angst sein.“ ²

 

Um so mehr brauchen wir immer wieder die Erinnerung daran, dass wir einen Grund zur Freude haben. Martin Luther hat es so beschrieben: „Ein Christ ist ein Mensch, der aus einem dunklen Raum ins Licht springt.“ ² An Weihnachten wird es ganz hell. Nicht nur durch Kerzen und Lichterketten, sondern durch die Freude, die Jesus Christus in unser Herz bringen will. Er sagt: „Ich bin als Licht gekommen, um in dieser dunklen Welt zu leuchten, damit alle, die an mich glauben, nicht im Dunkel bleiben“ (Joh. 12, 46).

 

„Der Herr ist nahe!“ Jesus Christus ist uns ganz nahe, er ist nur ein Gebet weit entfernt. Und ich hoffe, dass er unserer Welt und ihrem Elend auch ganz nahe ist! Dass er nahe ist mit seiner Hilfe und mit seiner neuen Zeit, die wir erwarten.

 

Die Jahreslosung für das kommende Jahr ist eine Einladung an alle, die müde und traurig sind, die einsam ohne Trost und Hoffnung leben. Jesus Christus sagt: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinaus stoßen.“ Dieses Versprechen gibt uns Jesus Christus. Dieses Versprechen gilt nicht erst ab dem 1.Januar, sondern schon heute. Dieses Versprechen gilt auch an Ihren Weihnachtstagen, egal, wie Sie diese Tage erleben werden. Jesus Christus will Ihr Herz froh machen. Konzentrieren Sie sich auf IHN und die Freude, die ER Ihnen bringen will. Ich wünsche  Ihnen ein Weihnachtsfest mit einem Herz voll Freude und Frieden. Ich wünsche Ihnen, dass Sie die Nähe Gottes erfahren dürfen.

 

Gott segne Sie an Geist, Seele und Leib. 

 

¹ Susanne Hornfischer, Große Freude, Eine Geschichte zu Weihnachten
² Zitate aus „Worte zum Aufatmen“, Christoph Morgner / Dr. Reinhold Pregla, S. 331

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