1.Juni 2022

 

Herr, nicht Knecht seines Geldes sein.

 

Jesus Christus spricht: Niemand kann zwei Herren dienen. Immer wird er den einen hassen und den anderen lieben oder dem einen treu ergeben sein und den anderen verabscheuen. Ihr könnt nicht gleichzeitig Gott und dem Geld dienen. Mt. 6, 24 (NL)

 

Liebe Leser,

 

auch Atheisten können religiöse Menschen sein. Sie können, genau so wie jeder andere Mensch, ihren Besitz, ihr Vermögen vergöttern. Auch Christen können sich abhängig machen von ihrem Geld durch Geiz und Geldsorgen. Für den Reformator Martin Luther war das Götzendienst. Er schreibt im Jahr 1544 in einem kleinen Artikel (ich habe ihn unserer Sprache angepasst. Die deutschsprachigen Leser finden den Original-Wortlaut im Anhang):

 

„Es ist ein Unterschied, Geld und Besitz zu haben oder dem Geld und dem Vermögen zu dienen. Gott will nicht, dass wir dem Geld und unserem Besitz dienen mit Geiz und mit Sorgen. Wer dient, der ist ein Knecht und hat nicht das Geld, sondern das Geld hat ihn. Ist er aber ein Herr über das Geld, so dient das Geld ihm, und er dient nicht dem Geld. Der darf dann das Geld gebrauchen, in dem er dem Armen hilft mit seinem Geld und denen gibt, die nichts haben. Wenn er einen sieht, der keine Kleidung hat, so spricht er zum Geld: „Heraus, Herr Euro, dort ist ein armer Mensch, der keine Kleidung hat, dem musst du dienen!“ „Dort liegt einer krank, der hat keine Hilfe. Hervor ihr Herren Euros, ihr müsst fort, hin und helft ihm!“ Wer so mit seinem Geld und Gut umgeht, der ist der Herr seines Hab und Guts. Aber wer nur viel Geld sparen will und nur daran denkt, wie das Vermögen immer größer wird und nicht kleiner, der gehört zu den Götzenknechten. Darum ist dies nun meine Meinung: Geld und Gut  müssen wir haben, aber wir sollen nicht mit dem Herzen dran hängen.“

 

Der Umgang mit unserem Geld zeigt, wem wir in Wirklichkeit dienen. Machen wir uns abhängig von Geldsorgen? Haben wir sogar eine Hochachtung vor Geld? Wir sollten Hochachtung haben vor den vielen Menschen, die durch Krieg oder Naturkatastrophen in bittere Armut gekommen sind. Ihnen gehört unser Respekt. Durch Spenden können wir ihre Not lindern. Aktuell sind das die Flüchtlinge aus der Ukraine, die bei uns Hilfe suchen. Nach Medienberichten wurden bisher 630 Millionen Euros für Menschen aus der Ukraine gespendet. Wir sollten in unserer Hilfsbereitschaft nicht nachlassen. Aber wir dürfen auch die vielen anderen Menschen nicht vergessen, über die im Augenblick keine Zeitung und kein TV-Sender berichten. Ich denke an krebskranke Kinder, die Unterstützung brauchen. Oder ich denke an die „Tafeln“, denen es an Lebensmitteln mangelt. Wir brauchen ein weites Herz für diejenigen, die am Rand der Gesellschaft leben.

 

Martin Luther blieb nüchtern in seiner Spendenbereitschaft. Er wusste, dass er zunächst verantwortlich war für seine Frau und seine Kinder. Für sie hatte er zu sorgen. Die Faulheit anderer unterstützte er nicht. Aber er blieb bei seiner Tugend, ein großzügiger und mildtätiger Mensch zu sein, der Gott dienen wollte und nicht dem Geld. Ich meine: ein Vorbild, auch noch nach fast 500 Jahren.

 

Ich lade Sie ein zu einem kurzen Gebet:

 

Herr Jesus Christus, bitte bewahre mich vor Geiz und dem Sorgengeist. Bewahre mich davor, dem Geld zu dienen und meinen Besitz zu vergöttern. Nicht Geld und Besitz und Wohlstandsdenken sollen mich beherrschen, sondern du bist der Herr und Gott meines Lebens. Was ich habe und was ich bin, verdanke ich dir! Wo es mir möglich ist, lass mich mit Herz und Verstand helfen. Amen. 

 

Original-Text:

 

„Es ist ein ander Ding, Gut haben und dem Gut dienen. Das will Gott, daß wir dem Geld und Gut nicht dienen sollen mit Geizen und Sorgen. Wer da dienet, der ist ein Knecht und hat nicht das Gut, sondern das Gut hat ihn. Ist er aber ein Herr über das Gut, so dienet das Gut ihm, und er dienet nicht dem Gut. Der darf denn des Guts gebrauchen, hilft dem Armen von dem Gut und gibt denen, die nichts haben. Wenn er einen siehet, der keinen Rock hat, so spricht er zum Gelde: Heraus, Junker Gülden, dort ist ein armer nacket Mann, der hat keinen Rock, dem musst du dienen! Dort liegt einer krank, der hat keine Labung, hervor Junker Anneberger und Joachimstaler (Anmerkung: das sind Silbermünzen), ihr müsst fort, hin und helft ihm! Die also mit ihrem Gut umgehen, die sind Herren ihres Guts. Aber viel Geld sparen und nur gedenken, wie der Haufe größer werde, und nicht kleiner, das sind lauter Götzenknechte. Darum ist dies nun die Meinung: Güter müssen wir haben, aber mit dem Herzen sollen wir nicht dran hängen.“

Luthers Kirchenpostille, Wittenberg 1544